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Kolumne: Die Ökonomin
Warum der Spritpreis wieder steigt

Das Kartellamt stoppte die jährliche Oster-Rallye der Mineralölriesen. Endlich funktioniert der Wettbewerb. Trotzdem müssen Autofahrer mehr bezahlen als zum Jahreswechsel.

Früher kamen zu Ostern die Preisrunden an den Tankstellen so zuverlässig wie die Hasen. Pünktlich zum Start in die Ferien schnellten die Preise hoch. BP und Co. hatten sie nicht abgesprochen (jedenfalls hat das Kartellamt das nie nachweisen können), aber im Gleichschritt erhöht. Kaum ein Verbraucher wollte aufwendig nach günstigen Anbietern suchen. Auf dem Spritmarkt mangelte es, wie Ökonomen sagen, an vollständiger Information. Und ohne die funktioniert ein Markt nicht richtig. Die Konzerne konnten als Oligopol agieren und Oligopol-Renten (vulgo: fette Gewinne) einstreichen. 2012, dem teuersten Tankjahr in Deutschland, kostete ein Liter Super im Schnitt 1,64 Euro, ein Liter Diesel 1,49 Euro.

Nun haben Kartellamt und Internet die Macht der Mineralölriesen gebrochen. Mit der Transparenzstelle zwingt das Amt die Anbieter, die Preise transparent und vergleichbar zu machen. Internet-Portale sorgen für Verbreitung. Nun gibt es perfekte Information, der Wettbewerb funktioniert. Wer jetzt 20 Cent mehr zahlt als nötig, ist selbst schuld oder kann es sich leisten.

Doch am Markttrend kann auch Transparenz nichts ändern. Daher zeigt die Kurve wieder aufwärts: War im Dezember der durchschnittliche Diesel-Preis unter einen Euro gefallen, liegt er nun darüber. Benzin kostet wieder 1,20 Euro. Die Rohöl-Wende schlägt durch: Seit 2014 war der Ölpreis im Sturzflug, er fiel von 114 auf unter 30 Dollar je Fass. Opec-Staaten subventionierten das weg - in der Hoffnung, Konkurrenten in den USA in die Knie zu zwingen. Mit Marktwirtschaft hatte das nichts zu tun, erfolgreich war es trotzdem: Laut Internationaler Energieagentur drosselten Länder außerhalb der Opec ihre Produktion.

Ohnehin hatten die Spritpreise zum Jahreswechsel ein natürliches Tief erreicht. Tiefer konnte es wegen des hohen Anteils an Abgaben in Deutschland kaum gehen. Und sollte es auch nicht gehen: Eine Renaissance der Spritfresser kann aus Klimaschutzgründen keiner wollen.

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Quelle: RP
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