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Kolumne: Die Ökonomin
Was ist dran am Grundeinkommen?

Der Staat zahlt allen Bürgern monatlich 1500 Euro - eine faszinierende Idee. Und doch ein Fall für Utopia.

Es hört sich paradiesisch an: Der Staat überweist jedem Erwachsenen jeden Monat 1500 Euro. Die Bürger entscheiden dann, was sie tun: weiter arbeiten, weniger arbeiten und sich mehr Zeit für die Familie nehmen, gar nicht mehr arbeiten. "Bedingungsloses Grundeinkommen" heißt die Idee, die der konservative US-Ökonom Milton Friedman ebenso verfocht wie dm-Drogerie-König Götz Werner - wenngleich aus unterschiedlichen Motiven. Die Schweizer stimmten jüngst per Volksabstimmung über das "Bedingungslose Grundeinkommen" ab: 77 Prozent waren dagegen, aber immerhin 23 Prozent dafür. Was ist dran?

Vernünftig ist der Ansatz, staatliche Leistungen zu bündeln. Der deutsche Staat kennt allein 148 verschiedene familienbezogene Leistungen (wie Kinder- und Elterngeld, Kita-Ermäßigung, Hartz IV). Diese Vielfalt bläht Verwaltung auf und ist ineffizient. Wenn der Staat nun ein Grundeinkommen zahlt, gehen alle Leistungen in diesem auf (auch die gesetzliche Rente). Sympathisch ist der Gedanke, dass Menschen, denen der Staat das Auskommen finanziert, mehr Zeit für Familie und Ehrenamt haben. Die alternde Gesellschaft ist zunehmend auf privates Engagement angewiesen.

Und doch ist das bedingunslose Grundeinkommen ein Fall für Utopia. Zum einen ist unklar, welche Anreize es auf Arbeitnehmer ausübt. Wer wird noch bereit sein, den Abfall abzuholen oder als DHL-Bote zu schuften, wenn er 1500 Euro auch ohne Arbeit sicher hat? Und wer nimmt dann noch die Anstrengung einer langen Ausbildung auf sich?

Zum anderen scheitert das Grundeinkommen an der Finanzierung. Das Geld, das der Staat großzügig verteilt, muss schließlich erst einmal erwirtschaftet werden. Nach einer Studie der Uni St. Gallen hätte in der Schweiz, wo es um die Frage von 2500 Franken pro Monat ging, der Mehrwertsteuersatz von heute acht auf über 50 Prozent erhöht werden müssen. Und das, obwohl alle anderen Sozialleistungen wegfallen. Deshalb ist es gut, dass die Schweizer das Grundeinkommen in den Tiefen der Bergseen versenkt haben.

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Quelle: RP
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