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Kolumne: Die Ökonomin
Was Stahlkocher von Ricardo lernen können

Kolumne: Die Ökonomin: Was Stahlkocher von Ricardo lernen können
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Düsseldorf. Europas Stahlhersteller fordern höhere Zölle auf China-Stahl. Seit Napoleon wissen wir, wie wenig Handelskriege bringen. Besser sind Innovationen.

Das war eindrucksvoll: Tausende Stahlkocher protestierten in Brüssel. Sie wollen, dass die EU Billig-Stahl aus China bekämpft. Zurecht: Welthandel kann nur zum Nutzen aller funktionieren, wenn für alle gleiche Spielregeln gelten. Die Hersteller fürchten, dass sie durch Klimaschutzauflagen der EU und eine Neueinstufung Chinas ins Hintertreffen geraten.

Als China vor 15 Jahren in die Welthandelsorganisation eintrat, vereinbarte man, dass die Preise im kommunistischen Land nicht durch Angebot und Nachfrage, sondern staatlich bestimmt werden. Folglich durfte sich Europa mit Schutzzöllen gegen Billigimporte aus China wehren. Doch die Regel läuft aus. Sollte China nun als Marktwirtschaft eingestuft werden, lassen sich Zölle nur schwer vertreten. Thyssenkrupp und Co. fordern nun Schutz von der EU - bis zu 3,5 Millionen Jobs seien in Gefahr.

Abgesehen davon, dass die EU nur bis zu 211.000 Jobs bedroht sieht, müssen die Konzerne aufpassen, dass sie nicht überziehen. Der Streit erinnert an die Kornzolldebatte: Napoleon hatte 1806 eine Kontinentalsperre verhängt, die es britischen Händlern verbot, Waren auf dem von Napoleon kontrollierten Kontinent zu verkaufen. Im Gegenzug setzen die Briten Korngesetze durch, die kontinentale Waren mit Zöllen belegten. Folge: Niedergang und Hungersnöte. 1815 zeigte der Ökonom David Ricardo, dass beim Zollwettlauf alle verlieren, der Wohlstand in einer Welt ohne Handelsbeschränkungen am größten ist.

Subventionswettlauf gibt es auch heute: Deutscher Stahl genießt immerhin milliardenschwere Befreiungen von der Ökostrom-Umlage. Statt den Wettlauf anzuheizen, sollte sich die Branche auf ihre Stärke besinnen. Ihre Zukunft liegt ohnehin nicht in Massenstählen. Mehr als bisher muss sie auf Innovationen setzen. Ricardos Theorie und Napoleons Scheitern sollten ihr eine Lehre sein.

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Quelle: RP
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