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Wolfsburg
Woche der Wahrheit für Volkswagen

Wolfsburg. Am Donnerstag endet die Frist in den USA. Dann muss eine Lösung mit den Behörden gefunden sein. Doch die Verhandlungen sind schwierig. Von Florian Rinke

Fotos zeigen Charles Breyer als freundlich lächelnden älteren Herrn mit weißem Seitenscheitel und Fliege. Doch Breyer kann auch anders - und das macht die Sache für VW so schwierig. Wenn der deutsche Autobauer halbwegs glimpflich aus dem Abgasskandal herauskommen will, muss er den US-Richter für sich gewinnen. Doch das ist nicht so leicht.

"Ich habe einige ernsthafte Sorgen", hatte Breyer im Februar gesagt und dem Unternehmen ein Ultimatum gestellt. Bis Donnerstag muss VW eine Lösung für die Abgas-Probleme in den USA finden, ansonsten dürfte es sehr teuer werden für den bis vor kurzem noch so erfolgsverwöhnten Autobauer. Denn Breyer muss in einem Mega-Verfahren entscheiden, bei dem Zivilklagen von Autobesitzern, Autohändlern und auch die Milliardenklage des US-Justizministeriums gebündelt wurden. Sie alle wollen den Konzern, der Kunden, Geschäftspartner und Behörden jahrelang mit manipulierten Abgaswerten getäuscht hatte, kräftig zur Kasse bitten.

600.000 Fahrzeuge seien durch die Manipulationen ohne gültige Zulassung unterwegs, so Breyer - "bis zum 24. März fordere ich von VW und der Umweltbehörde EPA eine Antwort, ob es eine Lösung gibt".

Das scheint allerdings gar nicht so einfach zu sein. Angeblich reicht ein Software-Update ebenso wenig aus wie der Einbau eines neuen Katalysators. Eine einfache Nachrüstung wie in Deutschland wäre dann nicht möglich. Ein Rückkauf aller Fahrzeuge würde VW jedoch Milliarden kosten, der Aufwand wäre nicht nur finanziell enorm.

Also sucht man offenbar nach anderen Lösungen. Zuletzt verging kaum ein Tag, an dem es nicht neue Gerüchte darüber gab, was alles auf VW zukommen könnte: Mal hieß es, der Konzern solle am Aufbau eines Netzes von Ladestationen für Elektroautos mitwirken, ein anderes Mal, dass VW eine Fabrik für E-Autos aufbauen soll. Auch über die Einrichtung zweier Umweltfonds wurde zuletzt spekuliert. VW schweigt öffentlich zu den Plänen.

Die Verhandlungen erschwert aus Sicht einiger Beobachter, dass an der VW-Spitze mit Matthias Müller und Hans Dieter Pötsch Personen stehen, die vor Bekanntwerden des Abgasskandals bereits hochrangige Positionen im Management innehatten - ein Neuanfang sehe anders aus. Wichtige Aktionäre halten jedoch noch zu dem Duo. Zuletzt hatte Aufsichtsrat Wolfgang Porsche dem VW-Chef den Rücken gestärkt und betont: "Ich finde, dass Matthias Müller einen wirklich guten Job macht." Und auch der zweitgrößte Aktionär, das Land Niedersachsen, sprach sich zuletzt in Person des Ministerpräsidenten Stephan Weil für Müller und den Aufsichtsratsvorsitzenden Pötsch aus: Er sehe keine Veranlassung, über einen personellen Wechsel auf diesen Positionen nachzudenken, sagte Weil.

Harsche Kritik kam unterdessen erneut aus den USA. "Noch nie hat sich ein Autobauer so ungeschickt und unprofessionell verhalten wie VW", sagte Gary Casteel der "Welt am Sonntag". Der Amerikaner ist bei der US-Autogewerkschaft United Auto Workers für die internationalen Belange der Gewerkschaft zuständig. Er glaubt: "VW hat das unüblich harte Vorgehen der Behörden selbst provoziert." Die Gewerkschaft habe angeboten zu vermitteln, doch VW habe nicht mal auf das Angebot geantwortet. Einen erfahrenen US-Vermittler, der immer mal wieder ins Gespräch gebracht wurde, gibt es bislang nicht. Richter Breyer wird sich das Vorgehen von VW genau anschauen - für VW beginnt die Woche der Wahrheit.

Quelle: RP
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