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Düsseldorf
Wohnkonzerne kommen nicht zusammen

Düsseldorf: Wohnkonzerne kommen nicht zusammen
Vonovia hat beim Übernahmeversuch der Deutsche Wohnen eine schwere Niederlage erlitten. FOTO: dpa, bt skm ink
Düsseldorf. Vonovia-Chef Rolf Buch ist beim Versuch einer feindlichen Übernahme des Wettbewerbers Deutsche Wohnen gescheitert. Wachsen soll das Unternehmen trotzdem. Mit kleineren Zukäufen und Neubauten, die er auf bestehende Häuser setzen will. Von Thomas Reisener

Das amtliche Ergebnis steht erst nächsten Montag fest. Aber die Niederlage ist so krachend, dass Vonovia-Chef Rolf Buch sie in groben Zügen gestern schon einräumen musste: Offenbar wollten die Deutsche-Wohnen-Aktionäre dem Branchenprimus nicht einmal ein Drittel ihrer Aktien verkaufen. Für die angestrebte feindliche Übernahme des zweitgrößten deutschen Vermieters hätte Vonovia aber über 50 Prozent gebraucht. Selten wurde das Ziel einer feindlichen Übernahme in Deutschland so deutlich verfehlt.

Buchs Traum vom Immobilienriesen mit mehr als 510.000 Wohnungen ist geplatzt. "Das war auf dem deutschen Markt die letzte Konstellation in dieser Größenordnung, die noch für uns ging", zeigte sich der Dax-Chef gestern im Gespräch mit unserer Redaktion zerknirscht. Unter anderem habe ihm das schwache Börsenumfeld der vergangenen Tage einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn, der von Anfang an gegen den Vonovia-Plan gewettert hatte, sagte hingegen: "Unsere Argumente gegen die Transaktion haben den Markt überzeugt." Inklusive Schulden hatte Vonovia 14 Milliarden Euro für den Wettbewerber geboten - Zahn hielt das für viel zu wenig. Die Kosten der Schlacht bezifferte Buch gestern auf einen "niedrigen zweistelligen Millionenbetrag".

Der monatelange Kampf der beiden Marktführer war Höhepunkt einer Serie milliardenschwerer Immobiliendeals in Deutschland. Der Dax-Riese Vonovia ist selbst gerade erst aus der Fusion von Annington und Gagfah hervorgegangen. Auch die im M-Dax notierte Deutsche Wohnen konnte dank niedriger Zinsen in den vergangenen Jahren massiv zukaufen - ist aber ihrerseits zuletzt mit dem Versuch der Übernahme der Düsseldorfer LEG gescheitert. Eben weil die Abwehrschlacht gegen Vo-novia dazwischen kam.

Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die LEG wieder ins Visier der Deutschen Wohnen geraten könnte. Dazu wollte sich gestern keiner der beteiligten Konzerne äußern. Einer früheren Einschätzung von LEG-Chef Thomas Hegel zufolge ist die Zeit der großen Übernahmen auf dem deutschen Wohnungsmarkt aber vorbei. Ähnlich äußerte sich gestern auch Buch.

Selbst in Investorenkreisen hat das Kriterium "Größe" inzwischen an Bedeutung verloren. "Die Gier nach Größe war eine Modewelle. Die Investoren schauen sich inzwischen sehr genau an, ob die Portfolios auch zusammenpassen, ob die Rendite stimmt und in welchem Zustand die Wohnungen überhaupt sind", sagt ein Brancheninsider, der alle namhaften Großinvestoren der Branche persönlich kennt.

Das Vonovia-Wachstum will Buch nun über den Zukauf kleinerer Portfolios und den Zubau neuer Wohneinheiten vorantreiben, unter anderem im Rahmen eines Konzeptes, bei dem Vonovia komplette Stockwerke auf bestehende Wohnungsblöcke aufsetzen will, was die Baukosten von 2500 Euro je Quadratmeter auf 1500 Euro senken kann. "Wir werden 2016 zwischen 430 und 500 Millionen Euro investieren", so Buch. 220 Millionen Euro davon sollen allein nach NRW fließen.

Der Mieterbund NRW zeigte sich erleichtert. "Wir meinen, dass eine weitere Konzentration auf dem Wohnungsmarkt den Mietern nicht hilft und auch nicht dazu beiträgt, dass mehr Wohnungen errichtet werden", sagte der Vorsitzende Hans-Jochem Witzke. Anders als früher haben die Mieterschützer aber keine grundsätzliche Abneigung mehr gegen Vonovia. Während deren Vorgängerin Annington sich mit schleppenden Wohnungssanierungen und schlechter Erreichbarkeit in Problemfällen einen zweifelhaften Ruf erarbeitet hatte, legt Vonovia mehr Wert auf zufriedene Mieter.

Ändern will Buch seine Strategie wegen der geplatzten Fusion nicht: "Sie steht nicht zur Diskussion." Heftig bestreitet er, die Übernahme der Deutschen Wohnen von Anfang an nur halbherzig angepackt zu haben. Allerdings gibt er zu, dass die Idee dazu aus dem Kreis seiner Investoren an ihn herangetragen wurde.

Quelle: RP
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