| 13.31 Uhr

Arbeiten bis 70?
Streit um späteren Rentenbeginn

Berlin. Die Aussagen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu einem späteren Rentenbeginn stoßen bei SPD und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) auf scharfe Kritik.

Nicht jeder habe bis ins hohe Alter eine robuste Gesundheit, sagte die SPD-Fraktionsvizechefin Carola Reimann am Donnerstag. "Deshalb ist mehr realistisches Augenmaß gefordert." Schäuble müsse zu einer "pragmatischen Sachpolitik zurückkehren".

Schäuble hatte sich am Mittwochabend für einen späteren Rentenbeginn ausgesprochen. Der Finanzminister sagte Medienberichten zufolge, Lebensarbeitszeit und Lebenserwartung müssten auch in der Rentenformel in einen Zusammenhang gebracht werden.

"Jetzt eine Debatte über ein höheres Rentenalter loszutreten, ist ein billiges Ablenkungsmanöver des Bundesfinanzministers", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Damit ist die Rente nicht zukunftsfähig zu machen, sondern die Leistungen werden noch weiter verschlechtert."

Die Junge Union forderte, das Rentenalter ab 2030 schrittweise von 67 auf 70 Jahre anzuheben. "Um das Rentenniveau künftig nicht so weit absenken zu müssen, dass immer weniger Menschen davon leben können, sollten wir das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung koppeln", sagte JU-Chef Paul Ziemiak unserer Redaktion. Ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren soll demnach erst im Jahr 2100 erreicht sein.

Unterstützung bekam Schäuble auch vom deutschen EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU). "Wir haben einen Fachkräftemangel und müssen in den nächsten Jahren über die Rente mit 70 sprechen", sagte Oettinger am Donnerstag den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Reimann lehnte eine solche Diskussion ab. Die Regelaltersgrenze bis 2030 auf 67 anzuheben, sei "eine vernunftorientierte und mit Augenmaß getroffene Entscheidung" gewesen, erklärte die SPD-Politikerin. "Zur Zeit ist noch eine Menge zu tun, um alterns- und altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen und die Anzahl derer zu erhöhen, die mit über 60 noch im Arbeitsleben bleiben können."

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley kritisierte, mit Spekulationen über das Renteneintrittsalter ab 2029 drücke sich Schäuble um die Antworten von heute. "Viele Menschen fragen sich, ob sie ihren Beruf überhaupt bis zum Rentenalter ausüben können und ob ihre Rente dann zum Leben reicht", sagte Barley den Funke-Zeitungen. Es gehe darum, mehr reguläre sozialversicherte Beschäftigung zu schaffen. "Diese Stärkung haben unsere Sozialversicherungen dringend nötig."

In der großen Koalition wird derzeit über die Zukunft der Rente diskutiert. Dabei steht besonders das Niveau der Altersvorsorge im Mittelpunkt. Buntenbach forderte, es müsse eine Rente geben, "von der man auch künftig im Alter in Würde leben kann - und das heißt verlässliche Leistungen auch für die Jungen, sowie ein höheres Rentenniveau".

Eine wie von Schäuble vorgeschlagene Anhebung der Regelaltersgrenze sei "de facto eine verdeckte Rentenkürzung", kritisierte Buntenbach. "Denn damit steigt auch die Zahl jener, die vorzeitig mit höheren Abschlägen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, weil sie es schlicht nicht gesund und in sozialversicherter Beschäftigung bis zur Rente schaffen."

jdö/gw

AFP

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