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München
Wüstenstrom-Initiative Desertec ist gescheitert

München. Aus dem Plan, Sonnenstrom von der Sahara nach Westeuropa zu bringen, wird nichts. Die Industrie will aussteigen.

Das kriselnde Wüstenstrom-Projekt Desertec steht vor dem endgültigen Aus. Wenn sich in der nächsten Woche die Gesellschafter der Desertec Industrial Initiative (DII) in Rom treffen, dürften sie die Totenglocke für die erst fünf Jahre alte Unternehmung läuten, wie es gestern in deutschen Industriekreisen hieß. Die DII hielt sich bedeckt und verwies auf die anstehende Versammlung der 20 Gesellschafterfirmen.

Das Scheitern der Wüstenträume war schon länger absehbar. Die meisten deutschen Konzerne wie Siemens, Bosch, Eon oder Bilfinger haben sich schon abgewandt, genauso wie die namensgebende Desertec-Stiftung. Der Club of Rome, in dem sich Experten mit Themen wie Nachhaltigkeit und Grenzen des Wachstums beschäftigen und in dessen Mitte die Idee einst geboren worden war, kehrte der Industrie enttäuscht den Rücken.

Beim fulminanten Start des Megaprojekts 2009 hatten die Manager der Energie-, Technik- und Finanzbranche noch glänzende Augen. Fast eine halbe Billion Euro sollte in Solarkraftwerke unter der Sonne Nordafrikas und des Vorderen Orients investiert werden, so die Pläne. Der Sahara-Strom sollte über Verbindungen über das Mittelmeer nach Süd- und Zentraleuropa fließen und dort klimaschädliche Kohlekraftwerke überflüssig machen. Der Versicherungsriese Münchener Rück machte sich zum Vorreiter des Energietraums. Längst ist auch dort Ernüchterung eingetreten.

Das Großprojekt stand von Anfang an unter einem schlechten Stern: In Nordafrika war der arabische Frühling ausgebrochen, der politische und ökonomische Unsicherheit brachte. Nach dem Unglück von Fukushima trieben die Konzerne verstärkt den Ausbau der erneuerbaren Energien in ihren Heimatländern voran. Zudem gab es Streit zwischen den Mitgliedern. Die afrikanischen und arabischen Länder beklagten sich über das koloniale Auftreten der Europäer. Die wiederum setzten technisch auf das falsche Pferd. Mit der Solarthermie, der Stromgewinnung aus Sonnenhitze, versenkte Siemens 400 Millionen Dollar und stieg aus. Auch die Manager wechselten rasch. Zuletzt wurde bekannt, dass DII-Chef Paul van Son zu RWE wechselt.

(rtr)
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