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Neuss
Zähes Ringen um höhere Metall-Löhne in NRW

Neuss. In Neuss haben Arbeitgeber und IG Metall nach einer Lösung gesucht. Zeitgleich laufen die Warnstreiks weiter. Von Maximilian Plück

Die Augen der gesamten Metall- und Elektrobranche waren gestern auf das Neusser Swisshotel gerichtet. Dort nahmen IG Metall NRW und der Arbeitgeberverband Metall NRW wieder den Gesprächsfaden auf. Die Signale zu Beginn der Gespräche waren verhalten bis optimistisch. Ein Sprecher der Gewerkschaft griff das Bild des Fadens gleich auf: Es gehe nun darum, diejenigen Wollfäden in dem Angebotsknäuel der Arbeitgeber zu finden, mit denen sich dieses entwirren ließe. Es sei aber auch denkbar, dass die aufgezeigten Fäden nur dazu führten, dass sich der Knoten fester zusammenziehen.

Die bildhafte Sprache darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie ernst es der Gewerkschaft ist: Ohne ein deutliches Nachbessern müssen sich die Arbeitgeber noch einmal auf eine Ausweitung der Warnstreiks einstellen. Die IG Metall hatte sich bei ihrem Gewerkschaftstag im vergangenen Jahr eine neue Streikordnung gegeben. Seitdem sind auch Warnstreiks möglich, die 24 Stunden dauern können und bei denen die Mitglieder - anders als bei gewöhnlichen Warnstreiks - auch Streikgeld bekommen.

Der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, sagte, 24-Stunden-Streiks stünden am Horizont. "Das ist sehr konkret." Allerdings dürfte es nach Meinung von Tarifexperten mindestens bis zur kommenden Woche dauern, ehe die Gewerkschaft ihr neues Instrument anwendet. Schließlich darf sich die IG Metall bei der Vorbereitung keinen juristischen Fehler erlauben, denn die Arbeitgeber haben bereits erklärt, im Falle einer solchen Eskalation ein Arbeitsgericht anzurufen.

In der diesjährigen Tarifrunde für die 3,8 Millionen Beschäftigten hat die IG Metall fünf Prozent mehr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert. Die Arbeitgeber haben das schon als "Höhenflug" zurückgewiesen und neben den aus ihrer Sicht ordentlichen Abschlüssen auf die niedrige Inflation und den niedrigen Produktivitätsfortschritt verwiesen. Metall NRW hatte nach dem - nach Angaben der IG Metall - "niedrigsten Angebot in der Geschichte" noch einmal nachgebessert und zuletzt 2,1 Prozent in zwei Schritten für 24 Monate sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 0,3 Prozent geboten. Zudem verlangen die Arbeitgeber Abweichungsmöglichkeiten für Krisenunternehmen.

Diese Differenzierung war Hauptthema der gestrigen Gespräche, die bis in den Abend reichten und von Teilnehmern als konstruktiv bezeichnet wurden. Für heute hat die IG Metall in Frankfurt eine Vorstandssitzung einberufen. Dort könnte festgezurrt werden, in welchem Tarifgebiet ein Pilotabschluss geschlossen wird. NRW gilt als aussichtsreicher Kandidat.

Quelle: RP
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