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Berlin
Zalando lässt Börsianer aufatmen

Berlin. Das milde Winterwetter drückte bei Europas größtem Online-Modehändler das Wachstum runter. Im Vergleich zu den Wettbewerbern erzielte Zalando dennoch zufriedenstellende Zahlen. Aber massenhaft Ware wird zurückgesandt. Von Beate Wyglenda

Obwohl es sich zum ersten Mal so richtig nach Winter anfühlt, ist es für die Modebranche zu spät: Das Geschäft ist gelaufen, was jetzt noch in den Lagern liegt, wird mit hohen Rabatten verkauft, um Platz für die nächsten Kollektionen zu schaffen. Das macht sich auch an den Zahlen bemerkbar. Eine Modefirma nach der anderen präsentierte aufgrund des warmen Winters schwache Ergebnisse für das Schlussquartal.

Die Ausnahme: Zalando. Europas größter Online-Modehändler wächst weiter rasant. Die Erlöse stiegen im vierten Quartal um bis zu 31 Prozent auf rund 872 Millionen Euro, wie das Unternehmen unter Berufung auf vorläufige Zahlen mitteilte. Die Anleger zeigten sich erleichtert. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie kletterte sieben Prozentpunkte nach oben.

Die gesamte Modeindustrie ächzt unter dem milden Winter. Denn die warmen Temperaturen der vergangenen Monate vermiesten den Kunden die Lust auf die Winterkollektionen. Nach Erhebungen des Marktforschungsinstituts GfK erlöste der Textilmarkt im Dezember in Deutschland zwei Prozent weniger als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Gerade die teuren Winterjacken und Stiefel blieben in den Lagern liegen. Auch Zalando hatten mit diesem Problem zu kämpfen. "Das außergewöhnlich warme Wetter im vierten Quartal hat uns Probleme bereitet", gibt Vorstandsmitglied Rubin Ritter zu. "Die Modeindustrie kann sich nie komplett vom Wetter entkoppeln." Nachdem schon namhafte Textilhersteller wie Gerry Weber und Hugo Boss enttäuschende Geschäftszahlen für das vierte Quartal vorgestellt hatten, bewegte sich auch der Kurs von Zalando auf Talfahrt. Die Aktien des Unternehmens verloren seit Dezember mehr als 15 Prozent an Wert.

Nun die Entwarnung: Alles halb so schlimm. Zalando habe durch flexible Bestellungen einiges ausgleichen können, sagte Ritter. Statt gefütterter Stiefel gingen also Sneakers an die Kunden, statt gestrickter Pullover mehr Blusen und Tops. Auch die Einschätzung aus dem US-Analysehaus Bernstein Research lautete: Die Zahlen von Zalando seien zufriedenstellend.

Insgesamt ist der Umsatz des Online-Modehändlers 2015 um mehr als ein Drittel auf etwa 2,962 Milliarden Euro gestiegen. "Die Zahlen demonstrieren die Stärke des Geschäfts unter herausfordernden Marktbedingungen", sagte Ritter. Sein Ziel für das laufende Jahr heißt daher: Die Drei-Milliarden-Euro-Umsatzmarke knacken. "Wir wollen 2016 weiter stark wachsen, um Marktanteile zu gewinnen", betonte der Zalando-Vorstand.

Dafür setzen die Berliner ihre Investitionstour auch 2016 fort. Zuletzt steckte der Konzern viel Geld in die Verbesserung seiner Smartphone-App, den Ausbau des Modeangebots auf mehr als 1500 Marken - darunter Gap und Topshop - sowie neue Logistikstandorte. Außerdem stellte Zalando 2015 mehr als 2500 Personen ein, wodurch die Belegschaft auf mehr als 10.000 Mitarbeiter stieg. Die Arbeitsbedingungen haben sich indes verbessert. Wurde der Händler in der Vergangenheit häufiger wegen schlechter Arbeitsbedingungen seiner Lagerarbeiter kritisiert, bekam er nun ein Lob. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) hat Zalando Fortschritte bei den Arbeitsbedingungen im Logistikzentrum Erfurt bescheinigt. Neben der Gründung von Arbeitnehmervertretungen stieg auch der Anteil der Beschäftigten mit festem Vertrag.

Doch auch bei Zalando läuft nicht alles rund. Ein Dauerproblem ist die hohe Retourenquote. Im Schnitt wird die Hälfte der Bestellungen zurückgesendet. Manche Extrem-Shopper schicken sogar 90 Prozent der Kleider retoure. Schwierigkeiten bereiteten zuletzt auch Betrugsfälle. Nach einem schwerwiegenden Fall, bei dem fast 1000 Pakete im Gesamtwert von rund 180.000 Euro bestellt, aber nicht bezahlt wurden, hat Zalando aber nachgebessert.

Quelle: RP
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