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Deutsche Bahn
Zugabteil wird zum Entertainment-Center

Düsseldorf. Rüdiger Grube macht Tempo. Der Bahnchef will noch bis Ende des Jahres alle ICEs mit kostenfreiem W-Lan ausrüsten. Kunden sollen zudem in den Genuss von Kinofilmen und Serien am Platz kommen. Von Maximilian Plück

Wer ab dem kommenden Jahr in ein Zugabteil der Deutschen Bahn steigt, der darf sich nicht wundern, wenn ein Gros der Mitreisenden den Blick permanent auf Smartphone und Handy richtet. Ab dem kommenden Jahr, so sehen es die gestern vorgestellten Pläne von Bahnchef Rüdiger Grube vor, sollen alle ICE-Waggons - auch diejenigen der zweiten Klasse - mit kostenfreiem W-Lan ausgestattet sein. Die Bahn, ihr Eigentümer Bund und die Bahnindustrie haben eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Wie das Staatsunternehmen schon früher angekündigt hatte, wird das Angebot Grenzen haben. "Von einem bestimmten Datenvolumen an werden wir dem Kunden sagen müssen: Entweder du gehst auf eine langsamere Geschwindigkeit, oder ab dem Punkt X muss man das dann auch berechnen", sagte Grube.

Zusätzlich zu dem kostenfreien W-Lan-Zugang rüstet die Bahn ab dem kommenden Jahr auch in puncto Entertainment-Angebot auf. Der Konzern kooperiert dafür unter anderem mit der Film- und Serienplattform Maxdome, einem Tochterunternehmen von ProSiebenSat.1. Verbindet der Bahnreisende sein Smartphone, Tablet oder Laptop mit dem Bord-W-Lan, stehen ihm kostenfrei 50 Filme und Serien aus dem Maxdome-Programm zur Verfügung. Zudem soll es eine Reihe von kostenpflichtigen Angeboten geben. Wer schon Kunde des Dienstes ist, soll auf das gesamte Angebot zugreifen können. Die Inhalte lädt der Nutzer von einem lokalen Server direkt im Zug herunter. Das solle zumindest für beliebte Filme und Serien gewährleistet werden. "Film- und Seriengenuss ohne dass ich vorher einen Titel runterladen muss, ohne dass mein mobiles Datenvolumen verbraucht wird und ohne Aussetzer im Tunnel - komfortabler geht es nicht", sagte Marvin Lange, Maxdome-Geschäftsführer.

Neben dem Entertainment-Angebot bietet das Bordprogramm verschiedene Informationsbereiche wie Tipps und Empfehlungen zu Sehenswürdigkeiten und Attraktionen am nächsten ICE-Halt, Infos zu Speisen und Getränken an Bord, zu dem Carsharing-Anbieter Flinkster und zu "Call a bike", den Mieträdern der Bahn, sowie einen iKiosk mit verschiedenen Zeitungsangeboten, Hörbüchern und Hörspielen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte bei der Vorstellung des Angebots die Länder dazu auf, auch in Regionalzügen für kostenfreies W-Lan zu sorgen. Er habe "den sehr deutlichen Hinweis" an die Länderverkehrsminister gegeben, dass sie dies bei Ausschreibungen für den Regionalverkehr zur Bedingung machen. Ziel sei freies W-Lan in allen Zügen und Bahnhöfen.

Bei Regional- und S-Bahnen legen nicht die Verkehrsunternehmen wie etwa die Deutsche Bahn das Angebot für die Fahrgäste fest, sondern Länder und Verkehrsverbünde. Dafür gibt es Zuschüsse vom Bund.

Die Bahn hatte zu Jahresbeginn noch gezweifelt, ob ihr der Ausbau des drahtlosen Internetzugangs in allen Zügen bis Jahresende gelingt. In der Vereinbarung werden auch die Mobilfunkbetreiber in die Pflicht genommen. Sie hätten zugesagt, alle ICE-Strecken an mobiles Breitband anzubinden, heißt es darin. Grube sagte, mit digitaler Technik wolle die Bahn das Reisen einfacher, bequemer, flexibler und persönlicher machen. Auch sollten interne Abläufe verbessert und datenbasierte Geschäftsmodelle genutzt werden.

Quelle: RP
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