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Vorhersagen oft falsch: 2005 für Hellseher dumm gelaufen

zuletzt aktualisiert: 16.12.2005 - 09:35

Roßdorf (rpo). US-Außenministerin Condoleezza Rice und Nordkoreas Diktator Kim Il Sung haben sich nicht verliebt. Osama bin Laden wurde nicht gefasst. Prinz Philipp, Silvio Berlusconi und Frank Elstner weilen noch unter den Lebenden, Papst Johannes Paul II. leider nicht mehr. Man kann also sagen: dumm gelaufen. Zumindest für die Wahrsager und ihre Prognosen für 2005.

Wahrsager lagen auch für 2005 meist daneben.  Foto: RPO
Wahrsager lagen auch für 2005 meist daneben. Foto: RPO

"Die meisten Vorhersagen trafen nicht ein", sagt der Mathematiker Michael Klaus Kunkel von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften (GWUP).

Kunkel hat insgesamt 110 Prognosen von 27 Astrologen, Nostradamusdeutern, Wahrsagern und Numerologen auf deren Richtigkeit hin ausgewertet. Vor allem Prognosen über die Bundestagswahl haben die Zukunftsdeuter herausgefordert.

"Die große Koalition wurde vorausgesehen, ebenso wie so ziemlich jede andere Konstellation", sagt Kunkel. Die Astrologin Elke Regendoerp prophezeite eine rot-rot-grüne Koalition. Für Wahrsagerin Patricia Bahrani war klar, dass Angela Merkel die absolute Mehrheit für die CDU gewinnen würde, mit folgender 16-jähriger Kanzlerschaft.

Hätte sich eigentlich in Nordkoreas Diktator verlieben müssen: Condoleezza Rice.  Foto: RPO
Hätte sich eigentlich in Nordkoreas Diktator verlieben müssen: Condoleezza Rice. Foto: RPO

Wider Erwarten gut meinten es die Sterne mit Prinz Philipp aus dem Hause Windsor, dem Showmaster Frank Elstner, Silvio Berlusconi und mit Doris Day - sie alle leben noch. Die Berliner Astrologin Monika Transier hatte dagegen für alle den Tod vorhergesagt. Prinz Philipp sollte so um den 5. oder 7. Juli 2005 herum sterben. Auch für Frank Elstner sah sie schwarz: Er werde Ende Januar 2005 Selbstmord begehen.

Während dagegen in den letzten Jahren der Tod von Papst Johannes Paul II. regelmäßig vorhergesagt worden war, ohne einzutreffen, hielten sich dieses Jahr die Zukunftsdeuter zurück. Nur der Astrologe Martin Schmid lag mit dem Tod des Papstes richtig. Allerdings wagte er die Prognose erst, nachdem der Papst zum zweiten Mal im Krankenhaus gelegen hatte und nicht mehr sprechen konnte.

"Das ist Scharlatanerie"

Falsch lag Schmid jedoch bei der Vorhersage über die Dollar-Entwicklung: "Der Dollar hat dieses Jahr Riesenprobleme, am schlimmsten gegen Ende 2005. Ich halte einen totalen Zusammenbruch der Währung für möglich", so Schmids Vorhersage. Ein Herz für Kiffer scheint dagegen Bahrani zu haben: Bis 2007 werde Cannabis legalisiert, erklärte die Wahrsagerin - und lag damit falsch.

Auch die Vorhersage von Sportereignissen war vor den Zukunftsdeutern nicht sicher. So sah die RTL-Astrologin Antonia Langsdorf für den VFL Bochum mit seinem Trainer Peter Neururer eine "ausgezeichnete Phase" voraus. Der Verein stieg jedoch in die 2. Liga ab und trennte sich von seinem Trainer.

Laut Kunkel gehen Astrologen, Wahrsager und Hellseher beim Vorhersagen konkreter Ereignisse oft nach zwei goldenen Regeln vor: Sage viele Ereignisse voraus - man wird sich nur an die Treffer erinnern - und treffe Voraussagungen, deren Häufigkeit unterschätzt wird, wie beispielsweise Naturkatastrophen.

Für die meisten Astrologen sind die konkreten Ereignisvorhersagen jedoch kein Thema. "Das ist Scharlatanerie", sagt Ernst Ott, Astrologenausbilder und Mitglied im Deutschen Astrologen-Verband (DAV). Konkrete Ereignisse könne man nicht vorhersagen. "Das Leben ist doch nicht festgeschrieben", sagt Ott. Die Astrologie sei nicht dazu da, "lieber Gott" zu spielen. Vielmehr könne sie Ratsuchenden Lebenshilfe bieten. Die Berufsordnung des DAV legt daher fest, dass keine Deutungsrezepte übermittelt und keine Ereignisprognosen abgegeben werden sollen.

Doch nicht jeder Astrologe ist im DAV organisiert und hält sich an die Regeln. "Meist sehr erfolgreiche und in den Medien präsente Astrologen versuchen immer wieder, konkrete Ereignisse vorauszusagen", weiß Ott. Mit den Vorhersagen könne man schließlich bekannter werden. Schätzungsweise ein Drittel aller Klienten wollten vom Astrologen konkrete Vorhersagen wissen. Die Menschen wollten sich damit gegen alle Eventualitäten des Lebens absichern. Aber nur eine kleine Minderheit der Astrologen komme dem Wunsch nach, die Zukunft zu deuten.

Quelle: ap

 
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