Düsseldorf (RP). Täglich sitzen Viertklässler zwei Stunden vor Fernseher und PC. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. Die Auswirkungen von TV, Spielkonsole und Computer auf Schulleistungen sind negativer, als bisher angenommen.
Fernsehen macht nicht zwangsläufig schlau. Foto: ddp
Je geringer das Bildungsniveau der Eltern, desto mehr Zeit verbringt der Nachwuchs im Kinderzimmer vor Computer, Fernseher und Videospielen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). 101 Minuten verbringen Jungen der vierten Klasse durchschnittlich täglich vor dem Fernseher, 43 weitere Minuten Beschäftigung mit dem Computer kommen hinzu.
Während Kinder hochgebildeter Eltern lediglich 77 Minuten täglich multimediale Medien nutzen, sitzen Kinder gering gebildeter Eltern fast drei Stunden vor Fernsehen und PC. Mädchen nutzen TV und Computer etwas weniger als Jungen.
Aus diesen Ergebnissen ziehen die Forscher die Schlussfolgerung: Fernseher gehören nicht ins Kinderzimmer. „Ungehemmter und unkontrollierter Medienkonsum macht Kinder dick, krank und aggressiv“, sagte Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts. Je mehr Zeit Kinder mit Medien verbrächten und je brutaler die Spiele und Filme seien, desto schlechter würden die Schulnoten, so Pfeiffer.
Seit 2004 hat das Kriminologische Institut den Medienkonsum von 17000Jugendlichen kontinuierlich untersucht. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass jene Viertklässler in der Schule deutlich schlechter abschnitten, deren Kinderzimmer mit Fernseher, Spielkonsole und Computer ausgestattet war.
Besonders Kinder von Einwanderern verfügen bereits als Viertklässler über eine große Medien-Ausstattung. Während deutsche Kinder durchschnittlich 106 Minuten täglich TV und PC nutzen, sind es bei Kindern mit Migrationshintergrund 156 Minuten.
Die Mediennutzung der Schüler setzen die Forscher in Beziehung zu den Ergebnissen der Pisa-Studie: Die Schülergruppen, die bei Pisa schlecht abgeschnitten hatten, seien zugleich die mit dem höchsten Medienkonsum.
Damit entfachen die Forscher eine traditionsreiche Diskussion neu: Bereits 1983 forderte der amerikanische Medienkritiker Neil Postman in seinem Buch „Das Verschwinden der Kindheit“, Jugendlichen den Zugang zum Fernsehen zu begrenzen. Um ihnen eine behütete Kindheit zu sichern, müssten sie vor der Bilderflut des Fernsehens geschützt werden, so Postman. Die Ergebnisse der Forscher scheinen Postmans Thesen teilweise Recht zu geben: Die Forscher des KFN sehen in den Ergebnissen ihrer Studie einen „klaren Zusammenhang“ zwischen schlechten Schulnoten und ungebremstem Medienkonsum.
NRW-Schulministerin Barbara Sommer appellierte an die Eltern, keine Fernseher in Kinderzimmer von Grundschülern zu stellen. „Ich möchte Eltern ermutigen, Grenzen zu setzen-zum Wohl des eigenen Kindes“, sagte Sommer. Kinder unter zehn Jahren sollten ohne Begleitung von Erwachsenen zudem generell nicht im Internet surfen. Sie kündigte eine Aufklärungskampagne des Schulministeriums für Lehrer an, um Eltern besser beraten zu können.
Unterstützung erhält Sommer von Kriminologe Pfeiffer: Er plädierte für eine flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen. „Die Schulen müssten nachmittags durch Sport, Musik und kulturelle Angebote dem Motto ’Lust auf Leben wecken’ verpflichtet sein“, mahnte der Forscher.
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