Studie: Aggressive Männer sind ein echter Blickfang
zuletzt aktualisiert: 07.06.2006 - 08:55London (rpo). Wütende Männer fallen auf. Von allen Spielarten der menschlichen Mimik ziehen aggressive männliche Gesichtsausdrücke am erfolgreichsten die Aufmerksamkeit ihrer Umwelt auf sich. Schneller als Frauen springen andere Männer auf die gefährlichen Blicke ihrer Geschlechtsgenossen an - wohl, um im Falle der Konfrontation sofort zu reagieren.
Das hat ein australisch-amerikanisches Forscherteam nachgewiesen. Dies gilt sowohl für Männer als auch für Frauen, wobei der Effekt bei Männern stärker ausgeprägt ist. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich diese Fähigkeit im Lauf der menschlichen Evolution entwickelt hat, um potenzielle Bedrohungen möglichst schnell wahrnehmen zu können. Die Forscher um Mark Williams vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge beschreiben ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Current Biology".
Als soziale Wesen haben Menschen spezielle Mechanismen entwickelt, um Gesichter und Gesichtsausdrücke zu erkennen. Daraus können sie wichtige Informationen ableiten, die ihnen im täglichen Umgang mit ihren Mitmenschen helfen. So ist es beispielsweise wichtig, Zorn und Ärger sehr schnell im Gesicht des Gegenübers zu erkennen, um Konflikte zu vermeiden. Um zu testen, ob ein ärgerlicher Gesichtsausdruck tatsächlich schneller erkannt wird als weniger bedrohliche Minen, zeigten die Forscher 78 Männern und 78 Frauen Bilder von Gesichtern mit unterschiedlichen emotionalen Ausdrücken. Darunter waren sowohl Männer- als auch Frauengesichter, die einen neutralen Ausdruck oder Ärger, Angst, Abscheu, Glück, Trauer oder Überraschung zeigten.
Die männlichen und die weiblichen Probanden erkannten ärgerliche Männergesichter von allen gezeigten Gesichtern am schnellsten, wobei die Frauen langsamer waren als die Männer, ergab die Auswertung. Auch spielte es für die Teilnehmer keine Rolle, wie viele Gesichter insgesamt zu sehen waren - sie erkannten die wütenden Männergesichter immer gleich schnell. Ärgerliche Frauengesichter wurden dagegen zwar auch schneller entdeckt als Gesichter mit anderen Ausdrücken, sie stachen jedoch nicht so stark aus einer größeren Anzahl Bilder heraus wie die Männergesichter.
Vom Standpunkt der Evolution aus betrachtet ist ein solches Aggressions-Frühwarnsystem durchaus sinnvoll, schreiben die Forscher: Da Männer im Allgemeinen größer sind als Frauen und auch mehr Körperkraft besitzen, stellen sie eher eine Bedrohung dar, und je schneller diese Bedrohung erkannt wird, desto größer sind die eigenen Überlebenschancen. Aufgrund der unterschiedlichen sozialen Aufgaben, die die beiden Geschlechter in der Frühzeit der Menschheit zu erfüllen hatten, war die Erkennung einer solchen Gefahrensituation für Männer wichtiger als für Frauen. Daher habe sie bei ihnen auch die Wahrnehmung stärker beeinflusst, sagen die Wissenschaftler. Frauen sind hingegen besser darin, andere emotionale Gesichtsausdrücke zu erkennen, weil diese in ihrem sozialen Leben eine größere Rolle spielten, erklären die Forscher.
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