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Uni-Fächer, die keiner kennt: 22-Jähriger studiert Opernregie

VON CONSTANZE KRETZSCHMAR - zuletzt aktualisiert: 09.03.2008 - 11:23

Wien (RP). Markus Michael Tschubert ist Mitglied der Studi-VZ-Gruppe „Du studierst WAS?’ – Für alle, deren Studienfach keine Sau kennt“ – und er ist dort gut aufgehoben, schließlich studiert er in Wien „Musiktheater-Regie“.

Oper, findet Markus Michael Tschubert, ist absurd. „Da stehen Leute auf der Bühne und singen ihr Leben. Merkwürdig. Kein Mensch geht in den Supermarkt und singt: ,Ich hätte gerne eine Milch’!“ Eine Meinung, die insofern überrascht, als Markus an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien „Musiktheater-Regie“ studiert – er wird also Opernregisseur.

Deshalb erlernt der 22-Jährige in Fächern wie italienische, französische und russische Phonetik die Aussprache dieser Sprachen, da die meisten Opern in ihnen verfasst wurden. In Libretto-Kunde setzt er sich mit dem reinen Text einer Oper auseinander, in Sprechkunde übt er, so deutlich zu sprechen, dass er auch von einem Ensemble mit 100 Mitgliedern verstanden würde. Außerdem studiert er Kultur- und Theatergeschichte, Beleuchtung, Maske und Bühnentechnik – alles in allem ein Rundumschlag zum Theater, so dass er im Theater mitreden kann.

"Denken kann ich selbst"

Das Regieführen selbst lernen die Studenten vor allem, indem sie bei Operninszenierungen mitwirken. Seit 2004 sammelt Markus Theatererfahrung. Er hat bereits mehrmals an der Leipziger Oper und am Landestheater Linz hospitiert und assistiert, zum Beispiel bei der Inszenierung von „Die Entführung aus dem Serail“ oder „Der Liebestrank“.

Besonders die Ambivalenz der Kunstform Oper reizt den Studenten. „Die Konstanze in der ,Entführung aus dem Serail’ beschreibt in einer Arie das ,Martern aller Arten’. Aber Mozart hat die Arie in C-Dur geschrieben!“ Text und Musik hätten in der Oper eben oft unterschiedliche Aussagen.

Das erste Stück, das Markus an der Universität inszeniert hat, war „La voix humaine – die menschliche Stimme“, ein Einmannstück von Francis Poulenc. Dabei gab sein Professor Reto Nickler nur ab und an Tipps. „An einer Stelle fehlte der rote Faden für fünf Minuten. Also musste ich mir dort etwas anderes überlegen.“ Einen genauen Weg, wie die Spannung erhöht werden könnte, schlug der Professor nicht vor – und das ist Markus sehr recht. „Ich möchte nicht, dass mir jemand vorschreibt, wie ich zu denken habe. Denken kann ich selbst.“

Nicht selber auf der Bühne stehen

Seine eigenen Vorstellungen setzte Markus auch als Kind durch. „Nicht, wenn ich ein Spielzeug haben wollte. Aber schon, wenn etwas wirklich wichtig war.“ So wie die Entscheidung, im Thomanerchor mitzusingen. Mit seiner Mutter hatte er mehrmals die Motetten in der Leipziger Thomaskirche gehört, bei denen der Thomanerchor auftritt. In diesem Chor, so setzte Markus es sich mit neun Jahren in den Kopf, wollte er mitsingen. Dafür musste er aber seine Heimatstadt Bad Lausick verlassen und ins Internat in Leipzig gehen, womit seine Mutter nicht einverstanden war. Letztlich setzte Markus sich durch und blieb sechs Jahre im Thomanerchor. „Damals wollte ich noch Sänger werden. Aber in der Oberstufe habe ich gemerkt: Ich will nicht auf der Bühne stehen. Ich will lieber der Boss dahinter sein.“

Also bewarb sich Markus nach der Schule um einen Studienplatz in Musiktheaterregie. Doch mit 18 Jahren fand ihn die Prüfungskommission noch zu jung. Also studierte er zunächst Musikwissenschaften in Leipzig. „Dann war ich auf der griechischen Insel Athos, um den byzantinischen Choral kennenzulernen. Und dort habe ich mir einige grundlegende Fragen über mich selbst gestellt.“ Zurück in Deutschland, war Markus entschlossen, Mönch zu werden und lebte für drei Monate in einem russisch-orthodoxen Kloster. „Nach eineinhalb Monaten war ich sicher, dass ich für immer dort bleibe. Aber später wurde mir klar, dass ich noch etwas anderes tun möchte.“

Nämlich Regie führen. Seit 2006 studiert Markus in Wien. Er hat nicht das Ziel, als Opernregisseur reich und berühmt zu werden. „Aber ich möchte so arbeiten, wie ich es mir vorstelle.“

Mehr Infos zu dem Studiengang sind unter www.mdw.ac.at zu finden.


 
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