Bundesweiter Protest für bessere Bildung: 50.000 Studenten auf den Straßen
zuletzt aktualisiert: 17.11.2009 - 14:54Düsseldorf (RP). Bundesweit gehen Schüler und Studenten heute auf die Straße. In Nordrhein-Westfalen laufen in elf Städten Aktionen. Unter anderem in Düsseldorf, Köln, Duisburg, Aachen, Essen, Münster und Wuppertal. Bundesweit beteiligte sich nach Angaben der Organisatoren 50.000 Schüler und Studenten an den Protesten. Im Zentrum der Proteste steht die Wut über das neu eingeführte System von Bachelor- und Masterstudiengängen.
Diese Zahlen bestätigte Philipp Tassev, einer der drei bundesweiten Koordinatoren, unserer Redaktion. Seinen Angaben zufolge waren es allein in Berlin 17.000 Teilnehmer, in München 10.000. In der Landeshauptstadt sei die Beteiligung "sehr mäßig" gewesen, so Tassev.
Im Düsseldorfer Innenstadt-Bereich kam es am Mittag dennoch zu Verkehrsbehinderungen. Die Heinrich-Heine-Allee wurde zwischenzeitlich blockiert, immer wieder wurden Kreuzungen angeriegelt. Zahlreiche Staus waren die Folge. Rund 2500 junge Menschen marschierten vom Hauptbahnhof bis zum Burgplatz.
Termine für die nächsten Großkundgebungen stehen auch bereits fest. Am 24. November während der Hochschulrektorenkonferenz in Leipzig und am 10. Dezember. Dann während des Treffens der Kultusminister in Bonn.
Nachbesserungen bei der Bologna-Reform
Der Aktionstag heute steht unter dem Motto "education is not to sale". Laut "Protestfahrplan" soll an diesem Tag der Hauptstreiktag stattfinden. Die Studenten fordern vor allem Nachbesserungen bei der Bologna-Reform zur Angleichung der europäischen Studienordnungen. Sie verlangen bessere Lernbedingungen, mehr Mitbestimmung und die Abschaffung der Studiengebühren.
„Grundsätzlich ist ein einheitlicher europäischer Bildungsraum gut”, sagte der Asta-Vorsitzende der Uni Düsseldorf, Andreas Jentsch. In Deutschland sei die Reform jedoch schlecht umgesetzt worden. Die Studiengänge seien so stark verschult, dass der Geist des Studierens verloren gehe. „Im Prinzip gibt uns jeder Recht”, sagte Jentsch zu den zustimmenden Bekundungen der Politik. „Jetzt muss mal etwas geschehen.”
Auch Schüler gehen auf die Straße
Neben den Studenten gehen heute auch Schüler auf die Straße. Die Schüler fordern mehr Lehrer und kleinere Klassen. Ein Treffen der Kultusministerkonferenz im Dezember in Bonn wollen die Schüler und Studenten mit einer Straßenblockade behindern.
In NRW wollen die jungen Leute auch im Wahlkampf weiter Druck machen. Edgar (15) und Carla (13) unterstützen den Protest in Duisburg. Im Gegensatz zu den Studenten haben die Schüler nicht frei bekommen. "Wir schwänzen für mehr Bildung", sagen die beiden.
Studenten ziehen durch Duisburger City
Vom Duisburger Haubtbahnhof aus sind hunderte Studenten und Schüler am Morgen mit Trillerpfeiffen und Sprechchören in Begleitung eines massiven Polizeiaufgebots (Hundertschaften und mehr als 25 Einsatzwagen) lautstark durch die Innenstadt bis zum Rathaus gezogen.
Die Demonstration verlief friedlich. Zeitgleich fand am Campus Essen eine große Protestkundgebung statt. Viele Studenten und Schüler, die in Duisburg auf der Straße waren, machten sie nach Beendigung der Demo auf den Weg nach Essen. An der Uni Duisburg geht der Protest am Mittwoch weiter. Dort ist dann eine große Protest-Versammlung geplant.
Die Aktionen sollen den Auftakt einer Protestwelle bilden. Für den 30. November bis 6. Dezember ist eine Aktionswoche geplant. Am 10. Dezember sollen dann die Kultusminister nach Ende ihrer Konferenz drei Stunden "nachsitzen", weil die Streikenden die Zufahrtsstraßen zum Konferenzort in Bonn blockieren wollen.
Europaweit Proteste und Hörsaalbesetzungen
Neben den Protesten halten die Studenten in rund 20 Städten Hörsäle zudem besetzt. Proteste und Hörsaalbesetzungen gibt es auch in anderen europäischen Ländern wie Österreich oder der Schweiz; eine Großdemonstration zum Thema Bildung ist am Dienstag zum Beispiel auch in Paris geplant.
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