Philologenverband: Bis 2015 fehlen 80.000 Lehrer
zuletzt aktualisiert: 25.10.2005 - 13:47Berlin (rpo). An Deutschlands Schulen droht eine Lehrerknappheit. Laut einer Berechnung des Deutschen Philologenverbandes (DPhV) dürfte es in den nächsten zehn Jahren 80.000 voll ausgebildete Pädagogen zu wenig geben.
Schon in diesem Schuljahr gebe es bundesweit 10.000 Lehrer zu wenig, sagte der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger am Dienstag in Berlin. Besonders betroffen seien strukturschwache und ländliche Gebiete in den alten Ländern.
Meidinger warf den Kultusministern mangelhafte Planung vor. Zugleich gehe das Interesse am Lehramtsstudium weiter zurück. Eine Studie der Potsdamer Universität nennt das schlechte Berufsimage und die besonderen Belastungen für Lehrer als Ursachen.
Laut DPhV werden bis 2015 rund 320.000 - also 40 Prozent der insgesamt 785.000 - Lehrer aus dem Dienst ausscheiden. Trotz rückläufiger Schülerzahlen müssten deshalb mindestens 290.000 Stellen neu besetzt werden.
Hierfür stünden aber nur 210.000 Lehramtsbewerber zur Verfügung. Nach Meidingers Worten sind in Bayern schon jetzt "die Wartelisten weitgehend leer geräumt". In Nordrhein-Westfalen könnten die versprochen neuen 3.000 Lehrerstellen nur mühsam oder nicht vollständig besetzt werden. In Berlin fehlten bis 2015 pro Jahr 1.000 Lehrer.
Notmaßnahmen
Der DPhV konstatiert eine massive Abwanderung von Lehrern aus den neuen Bundesländern. Die Politik habe ihre Möglichkeiten einer Erhöhung der Klassenstärke und der Zahl der Unterrichtsstunden ausgereizt, betonte der Verbands-Vorsitzende. Dass inzwischen auch Bewerber mit der Grenznote von 3,5 eine Stelle erhielten, gehe zu Lasten der Qualität. Die Zahl der Studienanfänger für den Lehramtsstudiengänge ging allein im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt um sechs Prozent zurück.
Als "Notmaßnahmen" schlägt der Verband vor, Anreize für Studienwechsel und schnellere Abschlusse zu schaffen sowie Quereinsteiger zu qualifizieren. Ferner sollten in der Vergangenheit abgewiesene Lehramtsbewerber für den Beruf zurückgewonnen werden. Dies würde auch die Alterstruktur der Lehrerschaft entzerren. Eine schnelle Ausbildung von "Bachelor-Billig-Lehrern" wies Meidinger hingegen zurück.
Gesundheitsgefährdende Muster
Lehrer sind nach Angaben des Potsdamer Psychologen und Leiters der Studie, Uwe Schaarschmidt, im Vergleich mit anderen Berufsgruppen außergewöhnlich beansprucht. Inzwischen litten rund 30 Prozent an "gesundheitsgefährdenden Mustern". Sie überforderten sich selbst und vernachlässigten die Erholung. Dies führe häufig zum so genannten "Burn-out-Syndrom". Lehrer fühlten sich vor allem durch schwierige Schüler, große Klassen und hohe Stundenzahlen überfordert. Zugleich wälze die Gesellschaft alle Probleme auf die Schule ab. Schaarschmidt beklagte auch die ständige Unruhe durch immer neue Anforderungen von außen.
Laut der Untersuchung zeigen allerdings schon 25 Prozent der Studienanfänger für das Lehramt resignatives Verhalten; 30 Prozent seien unzulänglich motiviert. Schaarschmidt verlangte eine bessere Hilfe bei der Berufswahl sowie mehr Praxisorientierung der Ausbildung. Beratung und Unterstützung seien aber auch berufsbegleitend notwendig. Dazu gehöre die Förderung von Teamgeist und konkrete Hilfe bei Überlastungen.
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