Pläne vorgestellt: Brüssel will EU-Elite-Uni aufbauen
zuletzt aktualisiert: 23.02.2006 - 10:41Brüssel (rpo). Die EU-Kommission hat den Weg für den Aufbau einer Elite-Universität zur Stärkung der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit Europas geebnet. Hauptaufgabe einer solchen Universität sollen Bildung, Forschung und Innovation sein. "Spitzenqualität braucht ein Markenzeichen, und Europa fehlt ein starkes Europäisches Technologieinstitut, das die besten Köpfe und Unternehmen zusammenführt und die Ergebnisse in ganz Europa verbreitet", sagte Kommissionspräsident José Manuel Barroso.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan begrüßte die Pläne. "Es ist sehr gut, dass wir in Europa die Leistungsfähigkeit der technologischen und anwendungsorientierten Forschung weiter stärken", sagte Schavan in Berlin. Es gebe in Europa ausgezeichnete technische Universitäten. "Dieses Potenzial müssen wir nutzen und stärken." Die Bundesregierung werde sich aktiv in solche Überlegungen einbringen.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Helmholtz-Gemeinschaft lehnten das Vorhaben dagegen ab. DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker sagte, damit würde die Union ihre Forschungsgelder "verzetteln und von anderen, wichtigeren Projekten abziehen". Helmholtz-Präsident Jürgen Mlynek sagte, die vorgesehene Struktur sei ein typisch europäischer Kompromiss, der alle bedienen solle, aber keinerlei internationale Ausstrahlung habe. Wenn die EU eine Technische Elite-Uni ähnlich dem amerikanischen MIT aufbauen wolle, solle sie das Geld lieber in eine bestehende Hochschule investieren. Als Kandidaten schlug Mlynek das Londoner Imperial College, die ETH Zürich oder die Technischen Unis in München und Aachen vor.
Die EU-Staats- und Regierungschefs sollen sich bei ihrem nächsten Gipfel am 23. und 24. März in Brüssel zu den Plänen äußern. Barroso betonte, es könne nicht sein, dass die besten europäischen Wissenschaftler in die USA gingen, weil sie dort bessere Bedingungen vorfänden. Wo eine solche Universität aufgebaut werden könnte, müsse zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden. "Wenn wir das jetzt diskutieren, dann wird das nie was", sagte Barroso. Dies gelte auch für die Frage der Finanzierung.
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