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Neue OECD-Studie vorgestellt - Streit um Beamtenstatus: Deutsche Lehrer sind schlechter als andere

zuletzt aktualisiert: 22.09.2004 - 18:26

Berlin (rpo). In der Bildungspolitik bekommt Deutschland mittlerweile regelmäßig Ohrfeigen. Nach Pisa und einer in der vergangenen Woche veröffentlichten OECD-Studie hat eben jene Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den deutschen Lehrenden schlechte Noten erteilt: Sie seien im Vergleich zu ihren Nachbarn zu alt, weniger leistungsbereit und unzureichend für den Schulalltag gewappnet.

Eine neue OECD-Studie, die am Mittwoch in Berlin präsentiert wurde, vergab schlechte Noten an die Pädagogen und mahnte Veränderungen an. Die Bundesrepublik sei "Spätzünder" bei den Bildungsreformen, erklärten die Bildungsexperten. SPD-Politiker warnten vor einer Lehrerbeschimpfung.

Die Kultusministerkonferenz erklärte, an der Behebung vieler Defizite werde bereits gearbeitet. Lehrerverbände forderten ein differenzierteres Bild. In der vergangenen Woche hatte bereits eine andere OECD-Studie für Aufsehen gesorgt, wonach das deutsche Bildungssystem weiter zurückfällt. Die OECD vergleicht regelmäßig das Bildungsniveau von 24 westlichen Industrienationen.

Der Studie zufolge waren 45 Prozent der deutschen Grundschullehrer 2001 über 49 Jahre alt. Nur in Italien seien die Pädagogen im Schnitt noch älter. Die Experten stellten auch fest, dass die deutschen Lehrer zwar zu den bestbezahlten gehören, ihre Arbeitszufriedenheit jedoch gering ist.

Zwar betont die neue Studie auch den Reformwillen Deutschlands. Doch die Untersuchung stellt im gleichen Atemzug fest, dass die Umstellungen nur sehr vorsichtig von statten gehen und der "angestrebte Zeithorizont oft sehr lang ist".

Beamtenstatus als Reformhürde

Eine große Hürde für notwendige Veränderungen sieht die OECD im Beamtenstatus. Zwar werde damit den Pädagogen eine hohe Arbeitsplatzsicherheit garantiert, doch hätten die Lehrer so keinen Anreiz, ihr Wissen und ihre Arbeit zu verbessern. Das Beamtentum lade dazu ein, dass ein Lehrer "sich auf seinen Lorbeeren" ausruhe.

Kritik übt die OECD auch an der Aus- und Weiterbildung: Den deutschen Paukern wird zwar gutes Fachwissen bescheinigt, doch die Vermittlung des Stoffes an die Schüler werde an der Uni nur in engen Fachgrenzen gelehrt. Auch der Ausbau der Fertigkeiten im Beruf sei dem Einzelnen überlassen und hänge "von seinem Interesse und Enthusiasmus ab".

"Schüler und deren Eltern finden sich in der Regel mit weniger effektiven Lehrkräften ab, die den in den Lehrplänen vorgesehenen Stoff wohl vermitteln, aber ihre Qualifikation im Laufe der Jahre nicht weiterentwickelt haben", heißt es im Bericht.

Die Studie zeichne ein differenziertes Bild, betonte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Doris Ahnen. Das Expertenteam komme zum Schluss, dass Deutschland sich in einer "schwierigen, aber fruchtbaren Phase des Umbruchs" befinde. Die Forderung nach der Aufhebung des Beamtenstatus beurteilte sie zurückhaltend.

Die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU) erklärte, die Arbeit der Lehrer müsse von der Gesellschaft mehr geachtet werden. Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva Stange, nannte die Studie einen wichtigen Beitrag. Die SPD-Politiker Jörg Tauss und Ernst-Dieter Rossmann warnten vor einer Lehrerbeschimpfung. Der Philologenverband mahnte einen differenzierten Umgang mit der Studie an. Grünen-Politikerin Grietje Bettin forderte, den Beamtenstatus für künftige Lehrer zu streichen. Die FDP kritisierte die Verbeamtung als überholt.

Quelle: ap

 
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