Robert-Schumann-Hochschule: Düsseldorf sucht den Opernsänger
VON ELFI VOMBERG - zuletzt aktualisiert: 21.04.2009 - 15:18Düsseldorf (RP). Wer an der Robert-Schumann-Hochschule Gesang studieren will, muss vor der Jury bestehen. Hier zählen andere Qualitäten als bei Dieter Bohlen im Fernsehen und schrilles Auftreten ist tabu.
Mendelssohn hat sie viel zu verdanken. Nach einem Lied des deutschen Komponisten und einer Arie aus Mozarts „Hochzeit des Figaro” hatte Alexandra Scherrmann die Aufnahmeprüfung geschafft: Sie bekam ein Lächeln von der Jury und die Auskunft, dass sie demnächst Post erhalte. Casting bestanden.
Inzwischen studiert die 24-jährige Sängerin im achten Semester an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf Gesang. Damals setzte sie sich in der Aufnahmeprüfung gegen rund 250 Bewerber durch. Jährlich vergibt die Akademie nur sechs Plätze in der Gesangsklasse. Der Andrang ist somit ähnlich hoch wie bei der TV-Show „Deutschland sucht den Superstar”. Die Kriterien der Jury um Dieter Bohlen haben jedoch wenig zu tun mit den Aufnahmebedingungen der Hochschule. „Obwohl es schon Momente in den Prüfungen gab, wo ich mich selber kneifen musste und versuchte, nicht laut loszulachen”, sagt Gesangs-Professorin Michaela Krämer. „Man fragt sich immer wieder, wer manchen Bewerbern empfohlen hat, hier vorzusingen.”
Bei der TV-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar” ist das anders je extrovertierter und schriller die Kandidaten auftreten, desto besser. Die Millionen Zuschauer am heimischen Fernseher möchten in der Auswahlrunde der Kandidaten schließlich etwas zu lachen haben. „Außerdem geht bei DSDS viel mehr über Imitation nach dem Motto ,Ich höre mir lange genug einen Titel an, dann kann ich ihn‘. Wir suchen die Stimme, die sich von Millionen anderen unterscheidet”, sagt Krämer.
Für die Gesangsprofessoren Thomas Gabrisch und Michaela Krämer sowie Gesangspädagogin Sophia Bart bedeuten Kandidaten ohne jegliches Talent und Ausstrahlung reine Zeitverschwendung. Denn an der Robert-Schumann-Hochschule geht es nicht um Dramen, Schicksale und Kuriositäten es geht um die Stimme und die Frage, ob es bei dem Bewerber sinnvoll ist, in die Ausbildung zu investieren. „Der Markt, auf den man sich begibt, ist hart”, sagt Thomas Gabrisch, Leiter der Opernklasse. „Wir müssen individuell abwägen, ob sich der Aufwand lohnt und sich die Sänger auch bei späteren Probespielen bewähren könnten.”
Bereits während der Aufnahmeprüfung weiß die Jury nach wenigen Tönen, ob der Bewerber in die Gesangsklasse passen könnte. „Das Handwerk muss stimmen. Die Stimme ist das Instrument und damit muss man Emotionen äußern können und sein Publikum verändern”, sagt Michaela Krämer.
„Die Kandidaten, die hier vorsingen, sind natürlich technisch alle noch nicht fertig ausgebildet, aber sie müssen uns etwas zu sagen haben. Talent und Ausstrahlung müssen da sein, nur dann kann man etwas fördern”, sagt Gabrisch. „Wenn man Karrieren von Sängern verfolgt, dann ist es nicht nur die Stimme, sondern neben der Musikalität auch Disziplin und ein gutes Nervenkostüm.”
Für die Vorbereitung auf eine solche Aufnahmeprüfung reicht kein Singen unter der Dusche am frühen Morgen. „Die Selbstwahrnehmung beim Singen ist schwer, man hört sich ganz anders”, sagt Gabrisch. Auch Studentin Alexandra Scherrmann nimmt jede Unterrichtsstunde auf einen Tonträger auf, um ihre Stimme anschließend noch einmal zu hören und die Stunde nacharbeiten zu können. Zwei Stunden am Tag übt die 24-Jährige. www.rsh-duesseldorf.de
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