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Der erste Tag einer Gaststudentin: Eine Französin kämpft sich durch

zuletzt aktualisiert: 16.11.2008 - 12:27

Essen (RPO). Wie erleben ausländische Studierende ihre Ankunft in Deutschland? Wir haben Caroline de Pommereau aus Frankreich begleitet. Die 19-Jährige ist für ein Semester nach Nordrhein-Westfalen gekommen und meisterte einen turbulenten Einzug ins Studentenwohnheim.

Mieses Wetter und Organisatonsschaos: Leicht war der erste Tag in Deutschland für Caroline de Pommereau nicht.  Foto: Mareike Zeck
Mieses Wetter und Organisatonsschaos: Leicht war der erste Tag in Deutschland für Caroline de Pommereau nicht. Foto: Mareike Zeck

Dicke Tropfen platschen auf das zerknitterte Stück Stadtplan, das Caroline de Pommereau in ihren Händen hält. Das Wohnheim an der Eckenbergstraße in Essen, das eine Mitarbeiterin des Studentenwerks mit ihrem Marker auf dem Plan eingezeichnet hatte, ist nur noch ein neongelber See. Langsam macht sich bei der jungen Austauschstudentin aus Paris Verzweiflung breit. Caroline und ihr gesamtes Gepäck sind vom mittlerweile strömenden Regen durchnässt.

Vormittags um zehn, als sie am Hauptbahnhof aus dem Zug stieg, war sie noch trocken und frohen Mutes. Schließlich erwartet Caroline ein aufregendes halbes Jahr als Teilnehmerin am Erasmus-Austauschprogramm in Essen. Mit Herzklopfen kam die 19-jährige Studentin für Kommunikations-Design am Hauptbahnhof an. Abenteuerlich war ihr zumute. Fremd habe sie sich jedoch nicht gefühlt. „Eher wie im Urlaub“, meint die Französin. Also zog sie am Morgen los, um eine Unterkunft zu beziehen.

„Kann man Ihnen helfen?“, fragt ein Essener Bürger auf der Straße. Obwohl der Mann keinen Regenschirm dabei hat, hält er kurz an. „Wo wollen Sie denn hin?“, ermuntert er Caroline. Ein kleines Lächeln kehrt auf das sommersprossige Gesicht der Französin zurück. „Eckenbergstraße“, sagt sie und formt das letzte E dabei mit spitzen Lippen zum Ö. Zwanzig Minuten und eine Autobahnüberquerung später steht sie endlich in der Eingangshalle des Wohnheims.

"Für den Mietvertrag ist ein Konto nötig und dafür ein fester Wohnsitz"

Zwischen Putzsachen und vollen Mülltüten haben sich dort bereits rund zwanzig durchnässte Studentinnen und Studenten auf die wenigen Sitzmöbel oder den Boden gekauert. Im Studentenwerk hatte man Caroline nicht gesagt, wie umständlich der Weg zum Wohnheim sein würde. Dafür hatte ihr die Dame dort versucht zu erklären, dass man in Deutschland ohne ein deutsches Bankkonto keinen Mietvertrag bekommen könne, aber ohne festen Wohnsitz auch kein deutsches Bankkonto. Caroline war das egal, denn sie hatte den Vertrag für das Studentenwohnheim von Paris aus abgeschlossen. Wohnheime sind für Austauschstudenten die unkomplizierteste Unterkunft. Mehr als ein Drittel aller Zimmer des Deutschen Studentenwerks sind an Gaststudenten vergeben. In Carolines Wohnheim gibt es 408 Plätze in Einzelzimmern und Doppelappartements mit Großküche.

Am Eingang wird Caroline von zwei Italienern begrüßt: „Willkommen am Eckenberg“, sagt der eine augenzwinkernd. Dabei weist er das Mädchen mit einer nickenden Kopfbewegung auf die chaotische Menge wartender Studenten hin. Jedes Jahr im Spätherbst gibt es hier und überall in Deutschland das gleiche Problem: Unzählige Studenten ziehen aus ihren Appartements in den Wohnheimen aus und neue ein.

Für die Wohnheimverwaltungen bedeutet das eine Menge Arbeit. Der Hausmeister am Eckenberg nimmt allein an diesem Tag rund sechzig Zimmer ab, prüft ebenso viele Mietverträge und gibt die Schlüssel heraus. Für Caroline heißt es warten, mit nicht viel mehr als einem Schokoriegel im Magen. In Paris hätte die 19-Jährige jetzt wohl in der Mensa gegessen. Das Semester an der dortigen Kunsthochschule „école boulle“, an der Caroline bereits zwei Jahre das Fach „communication visuelle“ studiert hat, läuft schon mehrere Wochen.

Von ihren französischen Kommilitonen wollte niemand zur deutschen Partneruniversität, der Folkwanghochschule in Essen. „Das liegt daran, dass nur wenige genug Deutsch können, um hier zu studieren“, sagt Caroline. Sie selbst hat Deutsch als erste Fremdsprache an der Schule gelernt und spricht es mittlerweile seit neun Jahren.

Gegen 16 Uhr hält sie endlich ihren Schlüssel in der Hand. Das Zimmer ist groß, größer, als sie gehofft hatte. Ein Regal teilt Waschbecken und Spiegel vom Rest des Zimmers, in dem noch ein Bett, ein Schreibtisch und ein Schrank stehen. Spartanisch schön ist es. Caroline hängt die nassen Socken über die Heizung und schläft nach dem aufregenden Tag früh ein.


 
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