Scharfe Kritik an Vorschlag der Grünen: Empört: Lehrer lehnen längere Arbeitszeit ab
zuletzt aktualisiert: 03.06.2003 - 14:41Dortmund (rpo). Auch von einem "Demotivationskollaps" ist die Rede: Die Lehrer in Nordrhein-Westfalen lehnen längere Arbeitszeiten entschieden ab.
"Wer wie die Grünen einerseits eine Bildungsoffensive fordert, aber andererseits die Belastung der Lehrer erhöhen will, verabschiedet sich aus einer glaubwürdigen Bildungspolitik", sagte der Landeschef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, am Dienstag in Dortmund. Der Nordrhein-Westfälische Lehrerverband (NRWL) warnte die Grünen vor einer "Steilvorlage zum Qualitätsabbau". Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte, die "Instrumentalisierung der Bildungspolitik im Koalitionsstreit unverzüglich aufzugeben".
Die Grünen hatten am Montag Eckpunkte für die weitere Arbeit der Koalition vorgelegt. Dazu zählen etwa die 41-Stunden-Woche sowie die Streichung oder Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld für Beamte. "Aus der Angst heraus, künftig nicht mehr an der Regierung beteiligt zu sein, verlieren die Grünen jegliches Augenmaß", kritisierte Beckmann. "Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Grünen sich beim Ministerpräsidenten einschmeicheln wollen."
Nach Einschätzung des NRWL-Präsidenten Peter Silbernagel ist die Erhöhung der Lehrerarbeitszeit ungerechtfertigt und führt zu einem "Demotivationskollaps in den Schulen". Außerschulische Aktivitäten würden gefährdet, warnte er: "Lehrer reagieren sehr sensibel, wenn ihr Engagement mit Füßen getreten wird." Die zeitliche Belastung aller Lehrergruppen liege bereits deutlich über der vorgeschrieben Arbeitszeit. "Gestern noch setzten sich die Grünen dafür ein, dass die Lehrerarbeitszeit nicht angehoben wird, heute ist der Machthunger so groß, dass jedes Mittel recht ist", sagte er.
Als "Schande" und "Torschlusspanik" bezeichnete GEW-Chef Jürgen Schmitter die Vorschläge der Grünen, mit denen der Koalitionsstreit auf dem Rücken von Lehrern und Polizisten ausgetragen werde. "Wer einerseits nach PISA und IGLU eine grundlegende Reform unseres Schulsystems mit Recht einfordert, andererseits die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von 170 000 Lehrern vorschlägt, der wird unglaubwürdig und pervertiert die Reformabsicht", sagte er. Sparpolitik mit Unterrichtsausfall, großen Klassen und überlasteten Lehrern sei nicht zukunftsfähig.
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