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Stetiger Zuwachs: Fachhochschulen in Technik spitze
VON ISABELLE DE BORTOLI - zuletzt aktualisiert: 13.12.2011 - 07:36Düsseldorf (RPO). 40.000 Studenten begannen vor 40 Jahren an acht Fachhochschulen in NRW ihr Studium. Die Auswahl an Fächern war noch begrenzt, vor allem Studiengänge in den Bereichen Sozialwissenschaften, Natur- und Ingenieurwissenschaften standen zur Wahl. Heute studieren rund 140.000 junge Frauen und Männer an den FHs im Land. Wir beantworten alle wichtigen Fragen zum Studium.
Wie sind die FHs entstanden? Die Fachhochschulen entstanden aus Vorgängereinrichtungen wie beispielsweise den Staatlichen Ingenieurschulen und Höheren Fachschulen für Sozialarbeit oder Wirtschaft. Anfang der 70er Jahre herrschte dringender Bedarf an qualifizierten und vor allem praxisnah ausgebildeten Fachkräften. Der technologische Wandel führte zu höheren Anforderungen im Beruf.
„Die Fachhochschulen schufen für eine breite Bevölkerungsschicht erstmals den Zugang zu einer akademischen Ausbildung“, sagt NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze.
Wofür stehen die Fachhochschulen? Die Fachhochschulen haben sich in den vergangenen 40 Jahren erfolgreich neben den Universitäten als praxisorientierte akademische Lehr- und Forschungsinstitutionen etabliert. Sie stehen für eine anwendungsorientierte Ausbildung, nah an den Bedürfnissen der Wirtschaft. So passen die angebotenen Studiengänge einer FH meist gut zu den in der Region angesiedelten Branchen, man bildet für den örtlichen Arbeitsmarkt aus. Ein Beispiel ist der Fachbereich Gesundheitswesen an der Hochschule Niederrhein: „Er wurde gegründet, weil es einen großen Bedarf an Gesundheitsmanagern und -informatikern in der Region gibt“, sagt Präsident Hans-Hennig von Grünberg.
Ansteigende Tendenz
Die ersten NRW-Fachhochschulen waren 1971 Aachen, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Münster, Niederrhein und Ostwestfalen- Lippe. 16 öffentliche Fachhochschulen zählt NRW im Jahr 2011. Hinzu kommen zahlreiche private Hochschulen. Mehr als ein Fünftel der NRW-Studenten sind an FHs eingeschrieben. Die Zahl der Dozenten und Professoren lag 1971 noch bei 2000, im vorigen Jahr waren es viermal mehr. 2010 schlossen außerdem 26.000 Studierende ihre Ausbildung an einer FH ab – ein Drittel aller Absolventen im Land.
Was kann man an der FH studieren? Alle akademisch ausgebildeten Sozialarbeiter, zwei Drittel der Ingenieure und beinahe die Hälfte aller Betriebswirte haben heutzutage laut Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen NRW ein Studium an einer FH durchlaufen. Sie alle studieren in Bachelor- und Master-Studiengängen. Das Fächerspektrum reicht inzwischen von Architektur und Design – etwa an der FH Düsseldorf – über Kulturwissenschaften (FH Köln), Alternativer Tourismus und Agribusiness (FH Rhein-Waal) bis zu diversen ingenieurwissenschaftlichen Angeboten.
Welche besonderen Studienformen gibt es? Das duale Studium ist ein Kind der Fachhochschulen. Dabei werden Bachelor-Studium und Ausbildung in einem verwandten Lehrberuf kombiniert und versetzen den Studenten in die Lage, das an der Hochschule erworbene Wissen direkt praktisch umzusetzen – und umgekehrt an der Hochschule theoretisches Wissen als Hintergrund für das in der Praxis Erlernte zu bekommen.
Das Ursprungsmodell des dualen Studiums, die Kooperative Ingenieursausbildung (KIA), wurde an der Hochschule Niederrhein geschaffen. Inzwischen kann man aber nicht nur ein Studium der Elektrotechnik mit der Lehre zum Elektriker verbinden, sondern etwa auch das Gesundheitsmanagement mit der Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen. Aktuell gehen in Krefeld/ Mönchengladbach rund 700 Studierende einem der sieben dualen Studiengänge nach.
Wie sieht Forschung an der FH aus? Vor allem in den vergangenen 20 Jahren haben sich die Fachhochschulen zu regionalen Innovationszentren entwickelt. Die Forschung wurde – vor allem mit Hilfe der Wirtschaft – rasant ausgebaut. Die für die Forschung eingeworbenen Drittmittel haben sich laut Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht. Das liegt daran, dass sich viele FHs vor allem als Problemlöser für Unternehmen aus der Region sehen und Professoren und Studenten gemeinsam Antworten auf Fragestellungen aus der Praxis suchen.
Wie stärkt NRW in Zukunft seine FHs? Zum 40. Jahrestag der NRW-FHs präsentierte Ministerin Svenja Schulze ein Maßnahmenpaket, mit dem das Land Nordrhein-Westfalen seine Fachhochschulen weiter stärken möchte. Sie sagte den Fachhochschulen zu, dass sie nach Auslaufen des Hochschulpaktes II die Landesmittel in Höhe von 35 Millionen Euro dauerhaft erhalten sollen.
Kann man an der FH promovieren? Nein, die Professoren dürfen generell keine Doktoranden annehmen. Das Maßnahmenpaket der Ministerin sieht jedoch vor, an dieser Stelle nachzubessern: Die Landesregierung möchte die Universitäten zu einer stärkeren Kooperation mit den Fachhochschulen verpflichten. Gemeinsame Promotionen sollen künftig durch ein spezielles Programm gefördert werden.
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