34-Jähriger wurde bereits als Nobelpreis-Kandidat gehandelt: Fälschungsskandal um deutschen Star-Physiker
zuletzt aktualisiert: 11.06.2004 - 19:23Konstanz/Trenton (rpo). Der deutsche Physiker Jan Hendrik Schön wurde bereits als Nobelpreisträger gehandelten. Nun hat ihm die Universität Konstanz wegen der Manipulation von Forschungsergebnissen gar den Doktortitel entzogen. Der Fall gilt als größter Fälschungsskandal der vergangenen 50 Jahre.
"Der Fall Schön ist der größte Fälschungsskandal in der Physik der letzten 50 Jahre", sagte Wolfgang Dieterich, Fachbereichssprecher Physik und Vorsitzender des Promotionsausschusses der Universität. Schön war auch schon im September 2002 von seinem langjährigen Arbeitgeber, den Bell Labs, entlassen worden.
Ein Wissenschaftler, der wie Schön Daten manipuliere, sie in falschem Zusammenhang präsentiere sowie künstlich erzeuge, sei unwürdig, einen Doktortitel zu tragen, erklärte Dieterich. Die am Freitag veröffentlichte Entscheidung sei bereits vor drei Monaten von einem mit zwölf Hochschullehrern besetzten Gremium getroffen und vor zwei Wochen Hendrik mitgeteilt worden, sagte Dieterich weiter. Schön könne innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Entscheidung Widerspruch einlegen.
Spektakulären Ergebnisse an den Bell-Laboratorien
Der heute 34 Jahre alte Schön hatte nach seiner Promotion an der Universität Konstanz seit 1997 an den Bell-Laboratorien im US-Staat New Jersey gearbeitet. Wegen seiner spektakulären Ergebnisse hätten einige Kollegen ihn bereits als möglichen Nobelpreisträger genannt, sagte Dieterich. Anfang 2002 seien jedoch erste Zweifel an Schöns Ergebnissen aufgekommen. Eine Kommission habe 25 Veröffentlichungen Schöns unter die Lupe genommen und in 16 Fällen Datenmanipulationen festgesellt, teilte die Universität Konstanz mit. Damit könne wissenschaftliches Fehlverhalten zweifelsfrei nachgewiesen werden.
Die Universität stellte klar, dass das Fehlverhalten nicht in direktem Zusammenhang mit der Promotion des Physikers stehe, jedoch bei dessen späteren Arbeiten an den Tag gelegt worden sei. Das Universitätsgesetz sehe vor, dass der Doktortitel entzogen werden kann, wenn sich "der Inhaber durch sein späteres Verhalten der Führung des Grades als unwürdig erwiesen hat".
Erster Betrugs-Fall in der 77-jährigen Institutsgeschichte
Für die renommierten und mehrmals ausgezeichneten Bell Labs in Trenton im US-Staat New York war es der erste Fall von wissenschaftlichem Betrug in ihrer 77-jährigen Geschichte. Sie hatten auswärtige Wissenschaftler mit der Untersuchung der Forschungsergebnisse beauftragt. Mit Schön waren schon im September 2002 auch rund 20 weitere Forscher entlassen worden, die an seinen Studien mitgewirkt hatten.
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