Geisteswissenschaften Exotenfächer: Finnisch - für wen?
VON WOLFRAM GOERTZ - zuletzt aktualisiert: 05.02.2007 - 08:47Düsseldorf (RP). Bewirbt sich ein junger Mann mit abgeschlossenem Finnisch-Studium um einen lukrativen Job bei der Unternehmensberatungsfirma. Ergebnis: Er wird eingestellt. Begründung des Chefs: Der Mann hat sich einen Wunsch erfüllt und sich effektiv gequält. So jemand wird gebraucht in Führungspositionen.
Wer studiert eigentlich Finnisch? Gert Kreutzer ist Professor für Nordische Philologie in Köln und verweist auf eine „Erfolgsgeschichte“. Viele hundert Studenten haben das Fach als abständigen, nicht indo-germanischen Zweig der Skandinavistik absolviert, und die meisten haben sich dadurch im aufblühenden Europa „exzellente Berufsaussichten“ geschaffen, sagt Kreutzer. Und das mit einer Sprache, vor deren Schwierigkeit fast täglich von der Polizei gewarnt wird. Auch die Hauptfächer der Skandinavistik (Norwegisch, Schwedisch, Isländisch, Dänisch) sind in Köln immer noch gut gebucht.
Kreutzer erinnert sich an alte Zeiten, da er in Münster ein Studium generale absolvierte, „und da haben wir natürlich auch mal Latein und Griechisch gemacht“. Latein ist heute eins der heikelsten Fächer überhaupt. Überall werden Latein-Lehrer gesucht, die Zeitungen sind voller Stellenangebote, aber etwa die Uni Düsseldorf muss befürchten, dass ihr Institut für Klassische Philologie bald arg gebeutelt wird.
Andere studieren halt Germanistik
Lehramtsstudenten und Magister gibt es in der Landeshauptstadt in absehbarer Zukunft nicht mehr in dem Fach, das den Magistern den Namen gab. Dabei hat das Institut mit jungen fähigen Hochschullehrern einen Aufschwung geschafft.
Die anderen Kulturwissenschaftler reden oft feixend über die Lateiner, dabei sind sie bloß froh, dass der Latinum-Schein seltener verlangt wird; sogar in Medizin ist er abgeschafft worden. Christiane Jakubowsky studiert Latein auf Lehramt und kann das Gemäkel nicht verstehen: „Ich habe einen Klassejob vor mir - und eine Sprache, die ich täglich neu spannend finde.“
Finnisch und Latein - lässliche, lächerliche Orchideen? Oder doch Sprungbretter ins Berufsleben und in eine Karriere, die mit einer exotischen, aber gehaltvollen Plackerei begann? Andere studieren halt Germanistik.
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