Studentenleben: Flirtparadies Uni
VON JAN DOBRICK - zuletzt aktualisiert: 29.04.2009 - 12:23Düsseldorf (RP). Die Uni sei ein Flirtparadies, hieß es. Aber Pustekuchen. Klar, hübsche Studentinnen gibt es genug. Aber wie konnte ich glauben, dass die gerade auf mich warten?
Die traurige Wahrheit habe ich schon kurz nach meiner Immatrikulation begriffen: Die Fächerkombination Germanistik/Geschichte beeindruckt die Damenwelt nur bedingt. Welche Frau interessiert sich schon für einen Mann, der sich vom Outfit her eher an Napoleon Bonaparte orientiert als an Justin Timberlake? Aus gesicherten Quellen weiß ich, dass wir Geisteswissenschaftler damit in Sachen Flirtfaktor ungefähr auf der gleichen Stufe rangieren wie molekulare Biomediziner und Physiker.
Trotzdem habe ich die Hoffnung, diesen zweifelhaften Ruf hinter mir zu lassen. Woran das liegt? Vermutlich am alljährlichen Doping fürs Gemüt, den Frühlingsgefühlen. Kaum werden die Röcke kürzer, komm selbst ich aus meinem Loch gekrochen und tausche das schwarze AC/DC-T-Shirt gegen ein graues. Immerhin. Und damit nicht genug, auch der erste Friseurbesuch des Jahres steht an. Meine Paul- McCartney-Gedächtnisfrisur weicht einem modischen Kurzhaarschnitt. Mit etwas Bräunungscreme im Gesicht ist die Sportstudenten-Tarnung perfekt.
Neu lackiert setze ich mich auf den Vorplatz der Uni-Kneipe und werfe die Angel nach Kommilitoninnen aus. Die Anzahl angeblicher Sportstudenten erhöht sich im Frühjahr drastisch. Die Szenerie um mich herum erinnert auch deswegen eher an Hochseefischen als an Flirten. Die Erfolgsaussichten dabei sind eher gering, denn die Studentinnen entlarven die lauernden Mogelpackungen jedes Jahr aufs Neue. Ein kurzer Blick reicht, schon sind die scheuen Damen im Campus-Dickicht verschwunden.
Was lässt uns jährlich auffliegen?
Sicher, die Sportstudenten-Tarnung ist ein alter Hut. Aber was genau lässt uns alljährlich auffliegen? Meine ganz persönliche Antwort brachte ein Blick in den Spiegel. Denn unter der kurzen Hose blendeten mich meine grellweißen Beine. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. „Es waren die käsigen Historiker-Schenkel, die mich all die Jahre verraten haben“, jammerte ich kurz. Am nächsten Tag versuchte ich es mit langer Beinbekleidung. Und siehe da, nach fünf Minuten verließ ich den Campus Hand in Hand mit einem waschechten Mädchen. Dabei störten mich weniger ihr schwarzes Metallica-T-Shirt und die Leuchtkraft ihrer Waden. Nachdenklich wurde ich erst, als sie erzählte, sie sei Historikerin und sitze schon seit Jahren jedes Frühjahr einige Meter weiter.
Unser Autor studiert Germanistik an der Uni Wuppertal.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








