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Studenten im Stress: Immer mehr brauchen psycholgische Hilfe

zuletzt aktualisiert: 25.11.2009 - 10:34

Frankfurt/Main (RPO). Studenten unter Druck: Rund 23.000 Studenten lassen sich in Deutschland psychologisch beraten. Die Tendenz ist steigend, seit Bachelor- und Master-Studiengänge eingeführt wurden.

Oft fühlt sich Jochen B. überfordert: Der 26 Jahre alte Student und Vater einer zweijährigen Tochter zieht den Vergleich zu einem gehetzten Tier, wenn er vom Prüfungsdruck an der Universität und dem Job in einer Fabrik erzählt. "Im Grunde genommen kann ich alle Aufgaben nur zum Teil erfüllen. Das zerrt an meinen Nerven", sagt der junge Geisteswissenschaftler, der in Hessen studiert und seit Monaten psychologische Betreuung in Anspruch nimmt.

"Ich weiß nicht, wie ich sonst aus der Situation herauskommen soll", sagt er. Jochen ist einer von etwa 23.000 Studenten, die sich deutschlandweit psychologisch beraten lassen - Tendenz steigend. Zu den zentralen Ursachen zählt die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen.

Thomas Schneyer von der psychologisch-psychotherapeutischen Beratungsstelle in Marburg betont, die Probleme der Studenten hätten sich in den vergangenen Jahren verändert. "Bevor die Bachelor- und Master-Studiengänge eingeführt wurden, konnten die Studenten noch einen gewissen zeitlichen Spielraum nutzen, das ist heute nicht mehr der Fall", sagt der Psychologe. Er gehe davon aus, dass in Zukunft angesichts der straffen Vorgaben des Studiums eher noch mehr Studenten seine Hilfe in Anspruch nehmen werden.

Mentalität der "leichten Hilfe"

Nach Ansicht Schneyers wäre es aber zu einfach, sämtliche Probleme einzig auf die neue Studienstruktur zurückzuführen. "Ich habe den Eindruck, dass viele junge Leute heute zu wenig auf die Schwierigkeiten des Lebens vorbereitet sind", sagt er. Durch die vermehrte Nutzung von Internet und Mobiltelefon habe sich eine Mentalität "der leichten Hilfe" eingeschlichen. "Wenn aber die für das Studium wichtigen Informationen nicht ohne weiters in Sekundenschnelle abrufbar sind, erzeugt das bei manchen Studenten schnell Frust", hat Schneyer beobachtet.

Neben dem aus seiner Sicht geringer werdenden Durchhaltevermögen sorgen auch die unsicheren Berufsaussichten für seelische Probleme. "Nach meinen Erfahrungen ergreifen außerdem viele junge Leute ein Studium aus einem momentanen Interesse heraus", sagt Schneyer. Dabei sei oftmals gar nicht klar, ob das Studium wirklich passt und wie später die Berufschancen seien.

Bevor die Bachelor- und Master-Studiengänge eingeführt wurden, sei der Wechsel zu einem anderen Fach einfacher gewesen. Heute seien zudem viele Studenten sehr jung, etwa weil das Abitur in manchen Bundesländern mittlerweile schon nach der zwölften Klasse abgenommen wird. "Für ein Studium fehlt nicht selten die Reife", sagt der Berater.

Job, Lernstress, Krisenzeiten

Das Darmstädter Studentenwerk nennt vielfältige Gründe dafür, dass Studenten unter Druck geraten. Die angespannte wirtschaftliche Gesamtlage kann ebenso eine Rolle spielen wie hohe Anforderungen an der Uni. "Verbunden mit der Notwendigkeit zu jobben, ergibt sich für einige Studenten ein Dilemma", sagt Geschäftsführerin Ulrike Laux. Ihre vier Mitarbeiter der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studentenwerks versuchen jungen Menschen zu helfen, wenn psychische Probleme die Lebensqualität beeinträchtigen und ihren Studienerfolg gefährden, weil sie etwa an depressiven Verstimmungen oder Prüfungsängsten leiden.

"Es fällt unseren Diplompsychologen und Therapeuten auf, dass viele Studierende enorme Ansprüche an sich selbst stellen. Können sie diese nicht erfüllen, geraten manche in einen Kreislauf aus Angst und steigendem Druck", erklärt Laux. Auffällig sei, dass es für die angehenden Akademiker offenbar schwierig geworden ist, Termine zu vereinbaren. Die Angst, an einer wichtigen Prüfung zu scheitern, gewinne möglicherweise zusätzlich durch die unsichere Wirtschaftslage an Dynamik.

Claudia Lazanowski von der psychologischen Beratungsstelle in Frankfurt berichtet von jährlich 250 Studenten, die zu Gesprächen kommen. Die Dunkelziffer an seelisch belasteten Jungakademikern sei aber wahrscheinlich weit höher, vermutet die Psychologin. Immer mehr Studenten nähmen Hilfe in Anspruch. Ihrem Eindruck nach ist die Zukunftsangst bei jungen Leuten gestiegen.

Quelle: DDP/mais

 
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