Eine eigene Bude ist zu teuer: Immer mehr Studenten wohnen zu Hause
zuletzt aktualisiert: 18.01.2007 - 10:13Haan (RPO). Mit Beginn des Studiums müssen die Studenten zunächst entscheiden, ob sie eine eigene Wohnung nehmen oder weiter zu Hause wohnen bleiben. Der Trend geht immer mehr zum Wohnen bei den Eltern, weil sich viele eine eigene Bude einfach nicht leisten können.
Rund ein Fünftel der deutschen Studierenden wohnt nach Angaben des Deutschen Studentenwerks im heimischen Elternhaus und pendelt täglich zur Universität oder Fachhochschule. Tendenz steigend. Die Unsicherheit gegenüber dem neuen Lebensabschnitt lässt vor allem Studienanfänger das Wohnen bei den Eltern favorisieren.
Die wochenlange Wohnungs- oder Zimmersuche entfällt, Studienanfänger müssen nicht unter Einsamkeit oder Heimweh in einer neuen, fremden Stadt leiden: «Mit der Familie im Rücken können Studierende sich leichter an das Unileben rantasten und auch anfängliche Frustrationen im Studium besser aushalten», sagt die Sozialpädagogin Gisela Hill aus Haan (Nordrhein-Westfalen).
Täglich mit dem Zug
Die ganze Organisation des Studiums ist schon anstrengend genug für mich», sagt auch der 20-jährige Florian aus Verden an der Aller. Lieber fährt er täglich mit dem Zug nach Bremen, als sich eine eigene Wohnung zu suchen, die er sich ohne Job auch gar nicht leisten könnte.
Für Miete geben deutsche Studierende laut dem DSW monatlich den höchsten Betrag aus: 225 Euro beträgt der Posten im Durchschnitt. Zusätzlich zu Lebenserhaltungskosten, Taschengeld, Semester- und Studiengebühren kommt so schnell eine große Summe zusammen. «Beim Wohnen im Elternhaus spart ein Studierender nicht nur bares Geld, sondern auch die Zeit, die Kommilitonen für Jobs aufwenden müssen, um die Miete in ihrer WG aufzubringen», sagt Dörte Jansen, Lernberaterin aus Hamburg.
Voraussetzung ist allerdings ein der Uni naher Wohnort. «Liegt die elterliche Wohnung über 20 Kilometer von der Hochschule entfernt, fallen wieder höhere Fahrtkosten und auch Fahrtzeit an.»
Das Wohnen bei den Eltern hat jedoch nicht nur Vorteile: «Studenten mit weiter Pendelstrecke haben häufig Probleme, aktiv am Uni- und Studentenleben teilzunehmen», erklärt Reiner Mund, Studienberater an der Technischen Universität Ilmenau. Ob Lerngruppe, Semesterparty oder Treffen in der Kneipe - viele wichtige soziale Veranstaltungen finden am Abend statt.
Frühzeitig Kontakte knüpfen
Wer hier den Anschluss nicht verpassen will, sollte Semestereinführungswochen nutzen, um frühzeitig Kontakte zu knüpfen. «Freunde zu finden, bei denen man auch mal übernachten darf, hilft hier schon eine ganze Menge.» Auch Fahrgemeinschaften mit anderen Pendlern erleichtern die Situation.
Immer ein voller Kühlschrank, saubere Wäsche und Hausputz wie von Zauberhand - wer glaubt, das Leben bei den Eltern ohne eigene Mithilfe genießen zu können, riskiert Stress und Streit: «Mittel- und langfristig sind Konflikte zu erwarten, wenn die erwachsene Tochter oder der Sohn nur die Vorteile zu Hause genießen will und nicht im Gegenzug auch eigene Leistungen dafür erbringt», warnt Jansen. Eine klare Aufgabenverteilung ist wichtig, um die Wohngemeinschaft mit den Eltern nicht unnötig zu belasten.
Eltern sollten sich im Klaren darüber sein, dass das Leben mit studierenden Kindern nicht immer einfach ist. Schlafen bis zur Mittagszeit, Krisen und schlechte Laune in Lern- und Prüfungszeiten: «Eltern müssen gegenüber dem Studentenleben auch viel Toleranz aufbringen», weiß Gisela Hill aus ihrer Praxis als Familienberaterin. Wer dem Nachwuchs das Wohnen zu Hause während des Studiums erlaubt, sollte diese Entscheidung mit allen Konsequenzen tragen und auch mal beim Lernen mithelfen, wenn Prüfungen anstehen.
Keine Dauerlösung
Doch eine Dauerlösung sollte das Wohnen bei den Eltern für Studierende nicht sein, sagt Mund: «Ich empfehle allen Studierenden, möglichst schnell eigene Wege zu gehen.» Tatsächlich pendeln nur die wenigsten Studenten dauerhaft zwischen Elternhaus und Uni. «Die meisten von ihnen ziehen bis zum 25. Lebensjahr zu Hause aus», sagt Lernberaterin Jansen.
Nach den ersten Semestern ist ein Freundeskreis an der Uni aufgebaut worden, Zukunfts- und Lebenspläne konkretisieren sich: «Einige haben ein schönes WG-Zimmer oder eine eigene Wohnung gefunden, ziehen mit dem Partner oder der Partnerin zusammen oder wollen in der Examensphase näher an der Uni wohnen.» Erst in den eigenen vier Wänden beginne das wahre Leben, sagt Mund. «Selbstständig, flexibel und erwachsen zu werden, erfordert die sanfte, aber durchaus konsequente Loslösung von der alten Welt im Schoß der Familie.»
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