Pläne gegen Zulassungschaos: Internet-Börse für Studienplätze
zuletzt aktualisiert: 03.03.2009 - 14:56Berlin (RPO). An den deutschen Hochschulen sind im Wintersemester 2008/2009 in Fächern mit Numerus Clausus Tausende Studienplätze freigeblieben. Gegen das Zulassungschaos aufgrund von Mehrfachbewerbungen will Bundesbildungsministerin Annette Schavan nun mit einheitlichen Bewerbungsfristen und einer Internet-Börse für Studienplätze vorgehen.
Schavan sagte am Dienstag in Berlin, Bewerbungsschluss für das Wintersemester 2009/2010 sei der 15. Juli. Mitte August gebe es die Zulassungsbescheide. "Die Studienplätze, die danach noch frei sind, werden in den ersten Septembertagen über das Internet in einer 'Börse' bekanntgegeben."
Wer noch keinen Studienplatz erhalten habe, könne sich dann unmittelbar bei den jeweiligen Hochschulen um freie Plätze bewerben, sagte die Ministerin. Sowohl die Kultusministerkonferenz als auch die Hochschulrektorenkonferenz würden sich nachdrücklich dafür einsetzen, dass sich alle Hochschulen dieser Vorgehensweise anschlössen.
In den vergangenen Jahren war ein Zulassungschaos entstanden, weil sich Schulabgänger an vielen Unis parallel bewerben, dann mehrfach zugelassen werden und später ihre Bewerbung zurückziehen. Dadurch konnten Studienplätze selbst in Fächern mit Zulassungsbeschränkung nicht besetzt werden.
Besonders groß ist die Lücke demnach etwa in Frankfurt am Main, ergab eine Umfrage des "Handelsblatts" unter großen Universitäten: Die Goethe-Universität konnte demnach im Wintersemester 807 Plätze in zulassungsbeschränkten Fächern nicht besetzen - das waren rund 19 Prozent ihrer Kapazität. Sogar mehr als 30 Prozent blieben beispielsweise in den Fächern Wirtschaftspädagogik oder Biologie frei.
Auch an der TU Dresden sind die Erstsemesterplätze dem Blatt zufolge lediglich zu 82 Prozent ausgelastet. Fast 500 Plätze blieben ungenutzt. "Hier muss künftig die Festsetzung einer Zulassungsbeschränkung grundsätzlich überdacht werden", räumte der Sprecher der Dresdener Uni ein.
NCs offensichtlich zu hoch angesetzt
An der Elite-Uni FU Berlin und an der Universität Duisburg-Essen blieb der Umfrage zufolge im Winter ein Fünftel der insgesamt fast 8.000 Studienplätze unausgelastet, weil zu viele Bewerber letztlich doch anderswohin gingen und die NCs offensichtlich zu hoch angesetzt waren.
Einen lokalen NC dürfen Hochschulen nur auf Antrag und mit Erlaubnis des jeweiligen Wissenschaftsministers verhängen. Diese berechnen dann die Kapazität und schreiben den Hochschulen vor, wie viele Plätze sie zur Verfügung stellen müssen. In nicht zulassungsbeschränkten Fächern müssen die Hochschulen jeden Bewerber aufnehmen.
Es gibt allerdings auch positive Gegenbeispiele: So blieben an der Elite-Uni Karlsruhe dank einem zügigen Zulassungsverfahren nur "eine Handvoll" Plätze frei, sagte eine Sprecherin: "Unsere Bewerbungsfrist läuft bis Mitte Juli, dann ist zwei Wochen Zeit, die Plätze anzunehmen. Wenn andere Unis ihre Zulassungen verschicken, sind wir schon beim 2. Nachrückverfahren." Auch an der Elite-Uni LMU München blieb nur jeder 100. Platz frei. Die Uni Hamburg meldet gar "Vollauslastung".
Ein Bundesgesetz für das Zulassungsverfahren an den Hochschulen bezeichnete Schavan als "ultima ratio". Man wolle gerade "nicht wieder zurück zur Regelung von oben". Die Souveränität der Hochschulen sei eine positive Entwicklung und entspreche den internationalen Gepflogenheiten. Zuvor hatten Abgeordnete von SPD und Grünen Schavan Untätigkeit vorgeworfen.
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