Von 6,29 auf 7 Prozent: KfW-Bank verteuert Kredite für Studenten
zuletzt aktualisiert: 13.10.2008 - 14:26Frankfurt/Main (RPO). Die staatliche Förderbank KfW, die in der Finanzkrise in die Kritik geraten ist, hat ihre Studienkredite zum Wintersemester verteuert. Am 1. Oktober ist der Zinsatz auf 7,0 Prozent gestiegen. Zu Beginn des Kredites im April 2006 hatte der Zinsatz bei 5,1 Prozent gelegen.
Zum 1. Oktober stieg der Zinssatz des Studienkredits über bis zu 650 Euro pro Monat von 6,29 auf 7,0 Prozent, wie ein Sprecher der Bank am Sonntag sagte. Dies sei der bisher höchste Stand. Die mit der Finanzkrise in die Kritik geratene KfW bestätigte damit einen Bericht das Nachrichtenmagazins "Focus". Von der Förderbank waren mehr als 300 Millionen Euro an die US-Investmentbank Lehman Brothers überwiesen worden, nur wenige Stunden bevor diese Pleite ging.
Der Kredit soll Studenten zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts während des Erststudiums dienen. Antragsberechtigt sind Studenten, die an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule mit Sitz in Deutschland immatrikuliert sind und zum Zeitpunkt der Antragstellung über keinen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss verfügen. Rückzahlungsbeginn ist 6 bis maximal 23 Monate nach Auszahlungsende.
Zum Kreditstart im April 2006 hatte der Zinssatz noch bei 5,1 Prozent gelegen. Auf der KfW-Internetseite war am Sonntag trotz der aktuellen Zinserhöhung von einem "niedrigen Zinssatz" die Rede.
Die KfW erklärte auf Anfrage, kurzfristiges Geld sei am Kapitalmarkt derzeit besonders teuer, was sich im Zinssatz für Studienkredite niederschlage. Eine Zinssenkung werde es frühestens zum 1. April nächsten Jahres geben. Bei KfW-Förderprodukten mit längerfristigen Zinsen habe man die Zinssätze dagegen vor kurzem senken können.
"Miserables und riskantes Geschäft für Studierende"
Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, sagte, die Folgen der Bankenkrise dürfen nicht auf dem Rücken der Studenten ausgetragen werden. "Die Studienkredite sind offenbar ein gutes Geschäft für die KfW-Bank, aber ein immer miserableres und riskanteres für Studierende", erklärte er. Die erheblichen Zinssteigerungen bei den Studienkrediten vervielfachten die Verschuldungsrisiken um mehrere tausend Euro. Gehring verlangte ein Eingreifen von Bundesbildungsministerin Anette Schavan (CDU).
Die bundeseigene KfW Förderbank hat in den vergangenen zwei Jahren mehr als 43.000 Studienkredite vergeben, wie im August mitgeteilt worden war. Im Durchschnitt hätten sich die Studenten monatlich 477 Euro auszahlen lassen. Mit dem KfW-Studienkredit gebe es keinen Grund mehr, ein Studium allein aus finanziellen Gründen nicht aufzunehmen, hatte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch erklärt.
Schavan will sechs Milliarden zusätzlich in Bildung stecken
Unterdessen kündigte Schavan in der "Bild am Sonntag" an, bis 2012 sechs Milliarden Euro zusätzlich für Bildung ausgeben zu wollen. Dieses Geld werde unter anderem in die Schaffung zusätzlicher Studienplätze, in Weiterbildungskonzepte sowie in Benachteiligten- und in die Begabtenförderung fließen. Eine Sprecherin Schavans sagte, von den sechs Milliarden Euro werde die Hälfte aus dem eigenen Haushalt kommen. Das Geld sei bereits zum Teil in der Qualifizierungsinitiative festgeschrieben. Die andere Hälfte solle aus anderen Bundesressorts kommen. Dies sei in der Regierung bereits so abgesprochen.
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