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Der Campus-Test: Kleider machen Klischees

zuletzt aktualisiert: 26.04.2010 - 16:36

Düsseldorf (RP). Zeige mir dein Outfit und ich sage dir, was du studierst - stimmt das? Vier junge Männer tauschen für einen Tag ihre Kleider. Wir begleiten sie auf dem Weg durch die Uni.

Der BWLer: Sweater statt Streifenhemd

Manuel Bosse (25) studiert im neunten Semester BWL. Wie ein typischer BWLer kleidet er sich aber nur, wenn es wirklich sein muss. „Wenn ich zur Uni gehe, bleibt der Anzug im Schrank. Bei Praktika und später im Beruf muss ich ihn ja jeden Tag tragen.“

Bis dahin genießt er die Zeit, in der er sich nicht so anziehen muss wie es das Klischee verlangt. Lila Polohemden, wie sie in seiner Fakultät getragen werden, sind nicht sein Geschmack. Außerhalb des Studiums trägt Bosse vorwiegend Jeans und Strickjacke. „Ach, eigentlich trage ich fast alles bis auf das peinliche Poloshirt“, sagt er.

Den Kleidertausch mit Mediziner Kim Hemmerich erlebt er nüchtern: „Meine Sachen sehen heute ähnlich aus wie seine. Interessanter ist es, den Juristen in den Klamotten des Modestudenten zu sehen.“ In einem Jahr möchte Bosse im Bereich betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit arbeiten. Dann muss der Anzug ran: „Im Büro ist Schick voll okay.“

Der Modestudent: Rein in die Raute

Young Sok Lee ist 24 und studiert Modejournalismus. Nebenbei arbeitet er für die Label Jades und Unifa. Was er anzieht, ist ihm wichtig: Young findet es langweilig, immer gleich auszusehen. Weil er viele Klamotten hat, kommen ständig neue Outfits zustande – Mode ist sein Hobby.

Für Campus & Co wagt sich Young in einen braven Rautenpullover, ein Hemd und Segelschuhe – und in diesem Outfit mischt er sich unter lauter Jura-Studenten. Fällt ihnen auf, dass er eigentlich nicht hierher gehört? Abgesehen davon, dass ihm die Kleider des Juristen Julius Hagen etwas zu groß sind, merkt niemand etwas. Die Stachelfrisur kommt gut an. „Schön, wenn einer mal ein bisschen anders aussieht“, kommentiert ein angehender Jurist auf dem Flur.

Jura zu studieren, wäre für Young nie in Frage gekommen. Paragrafen lernen und in Uniform zur Arbeit gehen? Niemals. „Und Segelschuhe gehen einfach gar nicht!“

(jado) Als Medizinstudent Kim Hemmerich auf das Unigelände kommt, trägt er einen Kapuzen-Sweater. Aber nicht lange: Er tauscht mit BWLer Manuel, und bekommt ein Hemd verpasst. So macht er sich auf den Weg zum Fachbereich des Kommilitonen, um das BWLer-Klischee zu überprüfen: Bei den Medizinern gelten sie als eitle Menschen, die nur in rosa Polohemd und schicken Boots zur Uni gehen.

Der Mediziner: Von wegen Polohemd

„Das Gefühl, ein Hemd zu tragen, ist mir nicht fremd“, verrät der 20-jährige Kim schmunzelnd. Tatsächlich unterscheidet sich der Kleidungsstil von Kim und Manuel nur bedingt. Beide tragen Jeans und Halbschuhe. Doch wie sieht es bei den anderen BWL-Studenten aus?

Kim stellt fest: „Kein rosafarbenes Polohemd in Sicht.“ Stattdessen begegnen ihm Studenten im Kapuzenpulli. Das Klischee zerplatzt wie eine Seifenblase. „In der Haut von Manuel fühle ich mich wie in meiner eigenen“, gesteht er.

Der Jurist: Vom Pulli in die Lederjacke

Julius Hagen läuft adrett durchs Leben. Und zwar ganz egal, ob an der Uni, bei der Arbeit in der Anwaltskanzlei oder in seiner Freizeit: Er trägt ein hellblaues oder weißes Hemd, einen Karo-Pulli mit V-Ausschnitt und braune Bootsschuhe. Der Jura-Student fühlt sich so wohl. „Meine Kleidung ist zweckmäßig, ordentlich und passt für alle Anlässe.” Der 25-Jährige sagt von sich, er entspreche ganz gut dem Bild, das man typischerweise von einem Juristen hat. Auf Marken, Statussymbole und auffällige Farben legt er keinen Wert.

Krasser kann der Kleidungstausch für ihn kaum sein. Mit Modejournalistik-Student Young Sok Lee wechselt er für einen Tag das Outfit. Die Brille ist plötzlich nicht mehr unauffällig – Julius Hagen schaut aus gelben Gläsern auf den Campus.

Dort fällt er auf, wie er deutlich spürt. Wieder raus aus den fremden Klamotten, sagt er: „Mit den schrillen Farben fühle ich mich eher unwohl, und an meiner Fakultät ziemlich beobachtet. Denn dort kennt man mich mit einem konservativen Kleidungsstil.“ Für ihn steht nach dem Kleidertausch fest: Ich lege auch weiterhin keinen Wert darauf, durch Modebewusstsein aufzufallen.”

Quelle: RP

 
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