Nanotechnologie erhält Zuwachs: Kleine Materie auf großem Anwendungsgebiet
zuletzt aktualisiert: 22.04.2007 - 17:27Kassel/Dresden (RPO). Ob Zahnpasta gegen ein schmerzendes Gebiss oder Lippenstifte, die an den Lippen anstatt dem Mittagsessen haften - "Nano", die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts bewegt wieder mehr Studierende dazu, sich in die klassischen Natur- und Ingenieurwissenschaften zu vertiefen.
"Die Berufsbilder scheinen durch die Anwendungsorientierung in der Nanotechnologie näher", sagt Beatrix Kohnke, Leiterin der Geschäftsstelle des NanoNetzwerkHessen in Kassel. Die Zukunftsaussichten für Nanotechnologen sind bestens, ergänzt Andreas Leson vom Fraunhofer Institut für Werkstoff- und Strahltechnik in Dresden.
Die Betätigungsfelder sind für Absolventen aus den klassischen Naturwissenschaften, Medizin, Pharmazie und den Ingenieurwissenschaften - denn einen reinen Studiengang Nanotechnologie gibt es an deutschen Hochschulen noch nicht. "Nanostrukturwissenschaft" in Kassel, "Nanostrukturtechnik" in Würzburg, "NanoEngineering" in Duisburg und "Mikro- und Nanostrukturen" in Saarbrücken - das sind die Diplom-Studiengänge, die die Bezeichnung "Nano" im Titel tragen.
Wenig Konkurrenz trotz großem Bedarf
Hinzugekommen sind inzwischen einige Bachelor- und Masterstudiengänge, die den Schwerpunkt auf die Nanotechnologie legen. "Meist beschäftigen sich die Studierenden nach dem Vordiplom mit einem Feld der Nanotechnologie", sagt der Physiker Leson. "Die Nanowissenschaft ist so breit, dass wir uns kaum Konkurrenz machen können", sagt die Biochemikerin Kohnke. Und Nanowissenschaftler werden in den kommenden Jahren immer mehr gebraucht, meint Leson.
Die Materie, um die es den Absolventen dabei geht, ist so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erahnen ist. "Ein Nanometer ist der milliardste Teil eines Meters - darin haben nur ein paar Moleküle Platz", erläutert Kohnke. Die Forschung darüber ist wichtig. Die Bundesländer haben Netzwerke gegründet, um schnell marktreife Produkte aus den Ergebnissen zu bekommen. Studierende profitieren davon, weil sie in den Firmen Praktika machen oder Abschlussarbeiten schreiben können.
"Rund 500 Unternehmen, so schätzt man, haben in Deutschland mit Nanotechnologie zu tun", sagt Leson. Ganz große seien das und viele kleine. Etwa 80 davon sitzen in Dresden und Umgebung. In Sachsen ist nach Lesons Worten vor allem die Halbleiterindustrie an den nanotechnologischen Entwicklungen interessiert.
Karlsruhe hingegen gilt als deutsche Wiege der Grundlagenforschung. "Und dann gibt es noch ein paar weitere Zentren wie Darmstadt, Münster oder München." Angehende Studenten müssen nach der Meinung der Experten zweierlei mitbringen: Interesse und fundierte Kenntnisse an und in den Naturwissenschaften und die Offenheit, mit Kollegen aus anderen Disziplinen zusammenzuarbeiten.
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