Standortwahl: Kleine Universitäten haben viele Vorteile
zuletzt aktualisiert: 22.01.2007 - 09:00Cottbus/Bamberg (RPO). Wer sich für ein Studium entscheidet, sollte sich die Universität ganz genau aussuchen und verschiedene Aspekte beachten. Im Gegensatz zu den kleinen Unis verzögert sich das Studieren an den großen Hochschulen häufig.
Die Gründe dafür: Überfüllte Hörsäle, überlaufene Seminare, überlastete Professoren, überflüssige Wartesemester. Studenten klagen über diese Missstände, nehmen sie aber häufig in Kauf, denn in den Metropolen finden sie Jobs und ein attraktives Freizeitangebot.
Anders sieht es an vielen kleinen Unis aus: Die Hochschule im Stadtzentrum, Wohnheime neben dem Campus, alle Einrichtungen zu Fuß erreichbar, leicht zugängliche Seminare und natürlich genügend Plätze in den Hörsälen. Dazu kommen noch vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten. So beschreibt Friederike Rohland, Sprecherin der Brandenburgischen TU Cottbus, das Umfeld für die fast 5000 Studierenden in der ostdeutschen Stadt. «Hier gibt es den direkten Kontakt zu den Professoren, das wirkt sich ebenfalls positiv auf eine Talentförderung aus.»
Auch Spitzenpositionen
Dass auch kleine Universitäten Spitzenpositionen auf bestimmten Gebieten einnehmen, zeigt der in Cottbus eingerichtete Studiengang Triebwerktechnik. Die Professoren und Assistenten forschen für eines der führenden internationalen Unternehmen auf diesem Sektor.
Die Auswahl an Fachbereichen ist an der TU Cottbus wie auch an anderen Hochschulen in kleinen Städten weitaus nicht so umfassend wie beispielsweise in München, Berlin oder Hamburg. Deshalb ist gründliche Vorarbeit bei der Auswahl des Studienortes wichtig. «Die Grundlage für jedes Studium ist das gewünschte Fach», sagt Britta Hoffmann-Kobert vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh.
CHE-Mitarbeiterin Petra Gebisch weist darauf hin, dass Studierende zum Beispiel mit dem Medizinangebot in den neuen Bundesländern «sehr zufrieden» sind und nennt als Beispiel Greifswald. An der vor 550 Jahren gegründeten Universität mit eigenem Klinikum studierte auch der bekannte Chirurg Theodor Billroth. Zu den anderen Schwerpunkten der Uni gehört Plasmaphysik, mit dem sich die Ostseestadt internationalen Ruf erworben hat.
Die gute Betreuung der Studierenden und die persönliche Atmosphäre hebt Monica Fröhlich für die Otto-Friedrich-Universität in Bamberg als Merkmale hervor. Und sie zitiert das Motto dieser 300 Jahre alten Hochschule: «In der Geschichte verwurzelt - der Zukunft zugewandt» Geistes- und Kulturwissenschaften bestimmen das Angebot in der malerischen historischen Stadt. Nicht nur Islamkunde, interreligiöse Studien und Mittelalter stehen neben den klassischen Fächern auf dem Studienplan. Eine starke Ausrichtung gibt es auch auf Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie Informatik.
Die Auswahl kleiner Universitäten ist groß. Für das Studium der Ingenieurswissenschaften nennen Fachleute die Technische Universität in Ilmenau am Thüringer Wald mit ihren gut ausgestatteten Arbeitsplätzen. Sehr gute Beurteilungen erhält das Schwarzwald-Städtchen Furtwangen für seine praxisorientierten Informatik-Studiengänge, Erfurt für Jura. Bei Geographie und Geowissenschaften gilt die Bergakademie Freiberg am Fuß des Erzgebirges als erste Adresse.
Kleine Universitäten bieten Studierenden viele Vorteile, können aber die Großen nicht immer ersetzen, wenn es um die Vertiefung der wissenschaftlichen Grundlagen geht, meint Sonja Berghoff vom CHE. Sie warnt vor dem Klischee, wonach die Kleinen immer Spitzenuniversitäten sein müssen. Deshalb sind die genauen Informationen vor Studienbeginn auch so wichtig.
Dazu gehört auch die Frage des Abschlusses. Die Hochschulen passen ihr Studiensystem zunehmend dem europäischen Standard an. Wie die Universität Passau mit etwa 8000 Studierenden. «Hier wird ganz konsequent von der Magister-Diplomstruktur auf die Bachelor-Master-Struktur umgestellt», erklärt Rektor Walter Schweitzer.
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