Uni-Allianz Duisburg-Essen, Bochum, Dortmund: Mega-Uni im Ruhrgebiet
VON BIRGIT KRUMMHEUER - zuletzt aktualisiert: 19.02.2007 - 11:30Dortmund/Bochum/Duisburg (RP). Die Universitäten Bochum, Duisburg-Essen und Dortmund planen eine engere Zusammenarbeit. Befürworter hoffen auf ein klareres Profil des Uni-Standorts Ruhrgebiet. Kritiker befürchten Personal- und Fächerabbau.
Es war nur ein einziges Wort - und schon war die Hochschullandschaft zwischen Rhein und Ruhr in Aufruhr: „Fusion“. Medien hatten berichtet, dass sich die Universitäten Duisburg-Essen, Dortmund und Bochum zu einer Mega-Uni mit über 90.000 Studenten zusammenschließen wollen.
Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Universität Bochum, dementierte, gab jedoch zu: Die drei Universitäten wollen in Zukunft enger zusammenarbeiten. Derzeit besprechen die Rektoren der Hochschulen, wie diese Allianz aussehen soll. Das bestätigte ein Sprecher der Ruhr-Uni Bochum im Gespräch mit unserer Zeitung. Schon in den nächsten Wochen könnte ein Konzept vorliegen.
Vorbild Kalifornien
Dem Rektor der Ruhr-Uni schwebt eine Zusammenarbeit nach Vorbild der staatlichen Universitäten in Kalifornien vor. Die zehn Standorte der Universität etwa in Los Angeles, Berkeley und San Francisco sind unabhängig, treten aber unter einer gemeinsamen Dachmarke auf. Jeder Standort darf eigene Schwerpunkte in Forschung und Lehre setzen, bleibt den anderen durch einheitliche Qualitätsstandards jedoch verbunden. „So etwas könnte die Hochschullandschaft zwischen Duisburg und Dortmund sichtbar machen, wie wir das mit einzelnen Standorten nie erreichen könnten“, schwärmte Weiler im Interview mit der „Neuen Ruhr Zeitung“.
Anders als die Fusion der Unis Duisburg und Essen vor vier Jahren geht der Vorschlag nicht von der Politik, sondern von den Hochschulen aus. Dennoch zeigt sich das NRW-Forschungsministerium erfreut. Es begrüße jeden Prozess, der aus der Hochschule entstehe und sie attraktiver mache, so ein Sprecher.
Droht Personalabbau?
Doch gerade das ist die Frage. Bieten die Pläne eine Chance für die drei Hochschulen, sich im nationalen Vergleich deutlicher zu positionieren? Oder verbirgt sich hinter der Gemeinsam-sind-wir-stark-Mentalität bloß der Wunsch, Fächer und Personal abzubauen? Das befürchtet etwa Martin Degeling, stellvertretender Asta-Vorsitzender in Bochum. Im Bereich der Forschung sei eine Zusammenarbeit zwar immer begrüßenswert. Im Bereich der Lehre bestehe aber die Gefahr, dass die Universitäten bloß Geld einsparen wollten.
Natürlich geht es auch um Geld. Yorck Hener vom Centrum für Hochschulentwicklung hat einige der Kooperationen deutscher Universitäten untersucht und weiß: „Solche Allianzen haben auch immer einen finanziellen Aspekt.“
Weniger Studiengänge?
Chancen sieht er, wenn Universitäten gemeinsam neue, interdisziplinäre Studiengänge ins Leben rufen, die sie alleine finanziell oder fachlich nicht stemmen könnten. So hat etwa die Uni Kassel mit der Fachhochschule Fulda den Studiengang Umwelttechnik ins Leben gerufen. Zwei Semester in Kassel, zwei Semester in Fulda - schon ist der Umwelttechniker fertig ausgebildet.
In manchen Fällen senkten Hochschul-Allianzen jedoch die Anzahl der Studiengänge, so Hener. Besonders, wenn eine Universität nicht die finanziellen Möglichkeiten habe, Stärken auszubauen. Kleinere Bereiche abzustoßen und benachbarten Universitäten zu überlassen, könnte dann Geld einsparen und das Profil der Einrichtung schärfen.
Ein solches Modell sei auch für die Unis im Ruhrgebiet denkbar, spekuliert Herner. So könnte etwa die technisch ausgerichtete Universität in Dortmund einige Geisteswissenschaften den Nachbar-Unis überlassen.
Gemeinsames Treffen
Die drei Rektoren der Universitäten des Ruhrgebiets unterzeichnen am Mittwoch, 21. Februar, erstmals ihre jeweiligen Zielvereinbarungen. Darin legen sie ihre Forschungsschwerpunkte fest:
Uni Bochum: Strukturbiologie, Neurowissenschaften, Materialforschung, IT-Sicherheit
Uni Dortmund: Logistik, Biotechnologie, Jugend-, Schul- und Bildungsforschung
Uni Duisburg-Essen: Nanowissenschaften, Genetische Medizin, Empirische Bildungsforschung
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