Hochschulen in NRW: Mehr Geld für Top-Professoren
VON SABINE SCHMITT - zuletzt aktualisiert: 13.08.2008 - 11:44Düsseldorf (RPO). Hochschulen können Professoren künftig besser bezahlen und so versuchen, bei Spitzenforscher beliebter zu werden. Bisher mussten sie sich an Durchschnittsbeiträge halten. Die Unis finden das gut. Aber klappt das auch?
Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat gestern die Abschaffung des so genannten Vergabe-Rahmens der Professorenbesoldung beschlossen. Konkret bedeutet das: Hochschulen dürfen jetzt selbst entscheiden, wie viel sie ihren Professoren bezahlen und mit höheren Löhnen Stellen für Spitzenforscher interessanter machen - sofern es der Uni-Gesamthaushalt erlaubt. Die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, die Fachhochschule und der Allgemeiner Studierendenausschuss (Asta) der Uni begrüßen das - allerdings gibt es auch kritische Anmerkungen zur Änderung.
„Wir stehen der Änderung grundsätzlich positiv gegenüber“, sagt Rolf Willhardt, Sprecher der Heine-Universität. Allerdings habe es laut Willhardt bisher nie am Geld gelegen, dass die Heine-Uni einen Professor nicht für sich gewonnen habe. Auch sei ihm kein Fall bekannt, indem ein Professor wegen anderorts besserer Bezahlung die Hochschule verlassen habe.
Axel Freimuth, Rektor der Universität Köln, hat da andere Erfahrungen gemacht. Als Uni-Chef bestehe sein Job in jüngster Zeit immer öfter darin, zu verhindern, dass seine Top-Leute nicht den Lockrufen privater und internationaler Institute erliegen.
"Gehaltsvorgaben im internationalen Vergleich lächerlich"
Mit dem Wegfall der Vergaberahmen habe er endlich Spielraum, um besser verhandeln zu können, argumentiert Freimuth. Denn die bisherigen Gehaltsvorgaben seien im internationalen Vergleich lächerlich - und auch die Spitzenleute aus der Wirtschaft verdienen viel mehr.
Nach der 2002 eingeführten W-Besoldung liegt das Durchschnittgehalt der nach 2002 eingestellten NRW-Professoren bei 73000 Euro. Zwar war es auch bisher möglich, guten Forschern ein Jahresgehalt von 100000 Euro oder mehr zu zahlen - doch das bedeutete bisher, dass die Universität vielen anderen Professoren nur noch das Grundgehalt zahlen durfte. Doch das ist mit 50000 bis 60000 Euro brutto vergleichsweise mager.
Und die ungleiche Bezahlung ist es auch, was man an der Fachhochschule Düsseldorf mitunter kritisch anmerkt. Sprecherin Simone Fischer: „Die Abschaffung des Vergabe-Rahmens erscheint zunächst sehr positiv, da sie mehr Flexibilität und Freiheit ermöglicht. Die faktische Ausgestaltung dürfte allerdings schwieriger sein.“ Denn was der eine Professor mehr bekommt, könnte der andere auch künftig weniger verdienen - es sei denn, die Hochschulen schaffen es, beispielsweise durch Drittmittel den Gesamthaushalt weiter zu erhöhen oder an anderer Stelle zu sparen und intern Geld geschickt hin und her zu schieben.
„Wichtig ist das Signal, das von dem Entschluss ausgeht“, kommentiert der Studierendenausschuss-Vorsitzende Rainer Matheisen den Beschluss der Landesregierung. „Nämlich, dass Spitzenwissenschaftler aus aller Welt eingeladen sind, an unseren Hochschulen und Universitäten zu lehren.“
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