Wissenschaftliche Empfehlungen stoßen auf Widerstand: Mehrheit gegen Einschulung mit vier Jahren
zuletzt aktualisiert: 22.11.2003 - 09:32Berlin (rpo). Die Mehrheit der Deutschen hat sich in einer Umfrage dagegen ausgesprochen, Kinder schon mit vier Jahren einzuschulen. Besonders ablehnend reagierten Eltern mit kleinen Kindern auf die Empfehlungen von Wissenschaftlern.
In einer polis-Umfrage im Auftrag der dpa widersprachen 76 Prozent der Befragten dem Vorschlag von Bildungsexperten, angesichts der demographischen Entwicklung bereits Vierjährigen einen Schulbesuch zu ermöglichen. Lediglich 23 Prozent unterstützten einen derart frühen Einschulungstermin. Bei Eltern mit Kindern unter 14 Jahren sind es sogar nur 18 Prozent.
Der Präsident der Freien Universität Berlin, Dieter Lenzen, und die Prognos AG hatten in einer Bildungsstudie der bayerischen Wirtschaft vorgeschlagen, besonders lernstarken Kindern bereits im Alter von vier Jahren einen Schulbesuch zu ermöglichen. Nur durch die Mobilisierung aller Bildungsreserven könne der drohende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ausgeglichen werden, argumentierten die Wissenschaftler.
Nach Berechnungen der Kultusministerkonferenz wird es im Jahr 2015 nur noch rund 700 000 ABC-Schützen geben. Zu Beginn dieses Schuljahres 2003/2004 waren es laut Statistischem Bundesamt noch 838 700 Erstklässler.
In Deutschland gehen die Kinder üblicherweise erstmals mit sechs oder sieben Jahren in die Schule. In Ausnahmefällen ist auf Antrag auch eine Einschulung mit bereits fünf Jahren möglich. Im Gegensatz zu den Holländern, die ihre Kinder bereits mit vier in die Schule schicken können, sind die Deutschen der Meinung, dass es bei den bestehenden Regeln bleiben soll.
Am stärksten gegen eine Einschulung Vierjähriger sind Frauen, ältere Menschen und Leute mit eher niedrigem Bildungsniveau. Der Umfrage zufolge lehnen 83 Prozent der Frauen den Vorschlag der Wissenschaftler ab, bei den Männern sind es 69 Prozent. Aufgeteilt nach Altersgruppen steigt der Grad der Ablehnung von 71 Prozent bei den 14- bis 34-Jährigen auf 80 Prozent bei den über 55-Jährigen. Die Zustimmung sinkt entsprechend von 29 auf 19 Prozent. (Das Münchner Meinungsforschungsinstitut polis befragte vom 18. bis 20. November 1007 Menschen im Alter von mindestens 14 Jahren.)
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