Erster deutscher Bildungsbericht: Miese Noten für deutsche Schulen
zuletzt aktualisiert: 10.10.2003 - 20:03Darmstadt (rpo). Der im Auftrag der Kultusministerkonferenz erarbeitete erste deutsche Bildungsbericht hat dem Schulwesen in der Bundesrepublik miserable Noten ausgestellt. Kritisiert wurden vor allem zu große Klassen und zu wenig Förderung.
In dem Bildungsbericht, der am Freitag in Darmstadt von den Kultusministern beraten wurde, heißt es unter anderem, die Schulklassen seien größer als im internationalen Vergleich, die Schulbücher überaltert und Förderung von wenig wie auch hoch begabten Schülern eher selten. Insgesamt habe die Zufriedenheit der Bevölkerung mit den Schulen in den vergangenen Jahren stark abgenommen.
Die mit dem Bildungsbericht beauftragten Forscher kritisieren, Schüler würden zu spät mit zielgerichtetem Lernen beginnen. Sie verbrächten zu viel Zeit in Bildungseinrichtungen, in denen sie kaum gefordert würden: "Dies sind wenig förderliche Voraussetzungen für die Erreichung anspruchsvoller Bildungsziele." Angesichts einer weltweit einmaligen Vielzahl von Stundentafeln und Rahmenplänen falle es schwer, überhaupt noch ein deutsches Schulsystem zu erkennen.
Die Autoren des Bildungsberichts fordern die Einführung nationaler Bildungsstandards. Die im internationalen Vergleich niedrige Zahl der Hochschulabsolventen müsse gesteigert, die Zahl der Jugendlichen, die mit nur wenig Bildung das Schulsystem verließen, gesenkt werden: "Das Land muss sich auf qualitativ anspruchsvolle Ziele seines Bildungssystems verständigen." Angesichts knapper Kassen müsse das für Bildung vorhandene Geld zielgerichteter eingesetzt werden.
Wolff sieht keine neuen Erkenntnisse
Die Kultusminister der Länder dringen angesichts der kritischen Berichte über schulische Leistungen auf Priorität für die Bildungsausgaben trotz aller Sparmaßnahmen. Das sagte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK) und hessische Ressortchefin Karin Wolff am Freitag im ARD-Morgenmagazin.
Wolff wies darauf hin, dass der in Darmstadt beratene erste "Bildungsbericht für Deutschland" keine neuen Erkenntnisse enthält, sondern die aus der Pisa-Studie, einer Untersuchung der OECD und weiterer Erhebungen zusammenfasst. Erste Folgerungen daraus seien ja bereits gezogen worden. Die CDU-Politikerin verwies auf die gestiegene Förderung für Kinder aus Migrationsfamilien, Sprachförderung im Kindergarten und Vorschulbereich sowie die Lehrerfortbildung. Es wäre aber eine Illusion zu glauben, dass es mit bloßem "Hebelumlegen" eine schnelle Lösung gäbe. Entsprechende Programme bräuchten in der Regel zehn bis 15 Jahre um zu wirken.
Letztlich gehe es auch um die Folgen von vielen Jahren verfehlter Bildungspolitik. Entscheidend sei daher, dass die Bildung Priorität in den Ländern behalte. Immerhin habe es in den letzten Jahren enorme Steigerungen in den Bildungshaushalten der Länder gegeben. Dieser Stand müsse gehalten werden, und die Bildungsausgaben müssten bei den Sparprogrammen ganz hinten stehen, forderte die hessische Kultusministerin.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.








