Statistik ist seine Leidenschaft: Mit 24 Deutschlands jüngster Professor
zuletzt aktualisiert: 07.12.2008 - 13:12Berlin (RPO). Ostap Okhrin ist Deutschlands jüngster Professor und unterrichtet seit April dieses Jahres voller Leidenschaft Statistik an der Humboldt-Universität in Berlin. Gerade mal 24 Jahre ist der Ukrainer alt und damit jünger als viele seiner Studenten.
Mit der linken Hand skizziert Ostap Okhrin eine Kurve. "Ich bin Linkshänder, aber nur manchmal", sagt der 24-Jährige. Er zeichnet und malt mit links, schreibt aber mit der rechten Hand. Die Beidhändigkeit ist aber bei Weitem nicht die einzige ungewöhnliche Eigenschaft des Ukrainers.
Die meisten seiner Studenten sind so alt oder oftmals sogar älter als er, aber das stört Okhrin nicht. "Ich habe nie das Gefühl, dass mich jemand für inkompetent oder unerfahren hält", sagt Okhrin mit einem leicht slawischen Akzent. Nur manchmal habe er Angst davor, die auf Deutsch gestellten Fragen seiner Studenten nicht verstehen zu können. Doch diese Sorge ist unberechtigt. Okhrin spricht fließend Deutsch, könnte aber ebenso gut jede Diskussion auch auf Englisch, Russisch und natürlich in seiner Muttersprache auf Ukrainisch führen.
Seit fast drei Jahren lebt der dunkelhaarige Statistikexperte in Frankfurt an der Oder, wo er 2006 promovierte. Mittlerweile pendelt er unter der Woche jeden Tag nach Berlin. "Ich lebe mit meiner Ehefrau gerne in Frankfurt. Sie promoviert dort gerade - auch in Statistik", erzählt der Juniorprofessor. Dementsprechend sind Mathematik und Statistik im Alltag der Okhrins stark präsent. Wissenschaftliche Probleme werden gemeinsam analysiert, um eine logische Lösung zu finden. Aber auch das Privatleben des Professors wird von Logik bestimmt. "Meine Frau und ich streiten nicht lauthals miteinander. Wir gehen vielmehr chronologisch vor. Was ist der Grund des Streits, wie hat sich die Sachlage entwickelt und welche Fakten gibt es?" - lautet die Okhrinsche Schlichtungsmethode.
Generell bestimmen Methoden, Formeln und Statistiken das Leben des Ukrainers. Als trocken oder langweilig empfindet Okhrin die Materie aber ganz und gar nicht. "Es fasziniert mich, dass in der Mathematik alles so exakt ist," sagt Okhrin. In der Statistik gebe es zwar nicht immer nur EIN richtiges Ergebnis, aber dafür beschäftige sich die Statistik mit den Problemen der realen Welt. "Nur mathematisch zu arbeiten fände ich nicht spannend genug. Dafür ist mir die Mathematik zu abstrakt", so Okhrins Meinung.
Einer der Arbeitsschwerpunkte Okhrins sind quantitative Methoden in der Wirtschaft. Um einem Laien zu erklären, was sich hinter diesem Fachbereich verbirgt, bedient sich Okhrin eines Obst-Beispiels. "Wenn Sie Apfelsinen kaufen, und die Verkäuferin sagt Ihnen, jede Apfelsine wiegt 100 Gramm, können Sie das glauben oder sagen 'Diese Apfelsine wiegt aber 101 Gramm'. Statistiker aber suchen nach Modellen, mit denen sie Messwerte, hier etwa die Gewichte von Apfelsinen, vorhersagen und bestimmen können." Okhrins Augen leuchten, während er die Methode erklärt.
Auch in den nächsten Jahren wird sich Okhrin mit der quantitativen Methode beschäftigen. Mindestens ebenso wichtig wie eine erfolgreiche Karriere als Wissenschaftler ist ihm seine Familie. "Ich wünsche mir Kinder", sagt Okhrin. Auf die Frage, ob er denn in Deutschland bleiben und diese hier erziehen möchte, antwortet der Juniorprofessor: "Wenn Deutschland mich braucht, dann bleibe ich."
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