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Einfachere Wege zum Studium: Mit Meister zur Uni

zuletzt aktualisiert: 07.05.2009 - 10:57

Düsseldorf (RP). Ohne Abitur war der Weg an die Hochschule bisher oft lang und schwierig. Bewerber mussten sich nicht selten mit 16 unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer auseinandersetzen. Das soll sich jetzt ändern.

Die Kultusminister haben im März beschlossen, Meistern und anderen Fachkräften ohne Hochschulreife den Zugang zum Studium zu erleichtern. Wer diese Neuregelung nutzen will, muss aber auch künftig genau prüfen, welche Fächer ihm offenstehen.

Bisher gibt es kaum Studenten, die ohne entsprechenden Schulabschluss an die Hochschule kommen. „Derzeit haben nur 0,6 Prozent aller Neueinschreibungen an Universitäten kein Abitur“, sagt Tiziana Zugaro, Sprecherin des Bundesbildungsministeriums. An Fachhochschulen seien es 1,9 Prozent.

Damit belegt Deutschland im Vergleich mit 22 anderen EU-Staaten einen der hinteren Plätze, wenn es um den Hochschulzugang ohne Abitur geht. Das geht aus dem „Europäischen Studentenreport“ vom Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover hervor. In Schweden haben dagegen mehr als ein Drittel der Studierenden kein Abitur, sondern qualifizierten sich im Beruf für die Hochschule. In Spanien und Schottland kommt jeder dritte bis vierte Hochschüler auf diese Weise an seinen Studienplatz.

Bundesländer entscheiden unterschiedlich

Die schlechte Position Deutschlands beim Studium ohne Abitur hat vor allem eine Ursache: „Es gibt bislang keine flächendeckenden Regelungen“, sagt Zugaro. So könnten die Hochschulen bei den Zusatzprüfungen beispielsweise schriftliche oder mündliche Wissenstests verlangen – oder beides zusammen. Wie dies in einem Bundesland – oder an einer Hochschule – geregelt ist, müssen Bewerber bislang immer im Einzelnen genau klären.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) in Berlin hat dies seit längerem als „Flickenteppich“ kritisiert. Das ist mittlerweile auch bei den Kultusministern angekommen. Beim Bildungsgipfel in Dresden im vergangenen Herbst wurde der Beschluss gefasst, künftig mehr Menschen ohne Abitur an die Unis zu lassen. Die Kultusministerkonferenz einigte sich dann im März auf bundesweit einheitliche Standards. Meister, Techniker und Fachwirte können demnach künftig jedes Fach ihrer Wahl studieren. Berufstätige mit mindestens zweijähriger Ausbildung plus dreijähriger Berufspraxis erhalten ein fachgebundenes Zugangsrecht – ihr Studienfach muss ihrer beruflichen Fachrichtung entsprechen.

Einige Länder planen sogar noch liberalere Regeln: Rheinland-Pfalz zum Beispiel will die vorgeschriebene Phase der Berufspraxis auf zwei Jahre verkürzen. Wann diese Regelungen in den einzelnen Ländern umgesetzt werden, ist allerdings noch unklar.

Fachkräftemangel

Hintergrund ist der Fachkräftemangel, der mit den bisherigen Studentenzahlen nicht gedeckt werden kann – und der trotz der Wirtschaftskrise bestehenbleibt. Die Idee ist daher, erfahrene Fachkräfte aus der Praxis durch ein Studium fit für den modernen Arbeitsmarkt zu machen.

Wer sich so weiterbilden will, muss sich aber über die damit verbundenen Veränderungen in seinem Leben klar sein. „Sie müssen ihre Finanzplanung komplett umstellen“, sagt DSW-Sprecher Stefan Grob. Während bislang jeden Monat ein geregeltes Einkommen auf dem Konto landete, ist diese Summe nun nicht mehr selbstverständlich. „Einige haben dafür extra etwas angespart, von dem sie eine zeitlang leben können“, sagt Grob, der selbst erst eine Ausbildung absolvierte und dann noch studierte.

„Doch niemand sollte die Finanzierung eines Studiums unterschätzen – oder die Einschränkungen, die mit einer fehlenden Absicherung einhergehen.“ Wer als Meister einen Studienplatz ergattert, kann sich beim Bund aber um ein sogenanntes Aufstiegsstipendium bewerben.

Neben der Finanzierung ist das Studium aber vor allem eine geistige Herausforderung. „Es gibt zwar in jedem Job einen gewissen Lerndruck“, sagt Grob. Und wer studieren wolle, sei meist auch am Lernen selbst interessiert. „Dennoch muss man sich als Student auf Vorlesungen, Seminare und andere Lerngruppen einlassen.“ Das sei ein anderes und eher theorielastiges Lernen als im Beruf. „Hinzu kommt, dass man als Meister in der Regel schon älter ist als die meisten anderen Studienanfänger“, sagt Grob. Das erschwere es, Anschluss zu finden.

Auch stellten Erstsemester, die vom Betrieb an die Hochschule wechseln, möglicherweise andere Ansprüche an das Studium. „Jüngere Studenten genießen vielleicht eher die Freiheiten des Hochschullebens, während sich ältere meist mehr aufs Studium konzentrieren.“


 
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