Studenten veröffentlichen Aktkalender: Nacktfotos gegen Bildungsmisere
zuletzt aktualisiert: 18.11.2004 - 08:18Bamberg (rpo). Nacktfotos gegen die Uni-Misere - mit Aktbildern protestieren Studenten aus Bamberg gegen die schlechten Studienbedingungen an ihrer Hochschule. "Mit den Bildern von nackten Studenten wollen wir auf die kritische Finanzlage der Uni aufmerksam machen", erklärte Birgit Limberger von der Studenteninitiative Feki.de.
Andererseits solle sich der Akt-Kalender aber auch direkt positiv auf die Situation der Studenten auswirken, der Verkaufserlös direkt den Bamberger Hochschülern zugute kommen.
"Das können wir auch", dachten Limberger und ihre Kommilitonen, als ihnen ein ähnlicher Kalender mit Nacktfotos von Bremer Sportstudenten in die Hände fiel. Auf eine Ausschreibung hin meldeten sich 70 potenzielle Models, 28 durften schließlich die Hörsaalbänke mit dem Platz im Fotostudio tauschen.
Auf den Schwarzweiß-Fotos sind nun 15 entblößte Frauen und 13 Männer mit typischen Insignien der Fächer zu sehen, die man an der fränkischen Hochschule studieren kann: Der Student der Psychologie ist mit nichts als einer Brille bekleidet, die Nacktheit der jungen Frau, die die Denkmalpflege repräsentiert, wird lediglich von einem Stein leicht verhüllt.
Uni will Finanzspritze ablehnen
Die Idee, mit Freizügigkeit für die Freiheit von Forschung und Lehre zu kämpfen, lag für Limberger nahe: "Seit ich zu studieren begonnen habe, hat sich die Situation an der Uni deutlich verschlechtert", sagt die 26-jährige. Oft genug habe sie sich in ihrem Germanistikstudium mit überfüllten Seminaren und Vorlesungsräumen herumschlagen müssen. Pläne, die Einnahmen vom Verkauf der 1.000 Exemplare des Kalenders direkt der darbenden Hochschule zukommen zu lassen, scheiterten bisher allerdings: Diese will die unverhoffte Finanzspritze ablehnen.
Als Universität wolle man die Kommerzialisierung des nackten Körpers nicht befürworten, "auch wenn es für einen guten Zweck ist", erklärte die Pressesprecherin der Universität, Monica Fröhlich. Es gebe in den eigenen Reihen genügend Menschen, die an einem Akt-Kalender Anstoß nähmen. Wenn man die Erlöse des Kalenders annähme, wäre die Uni mitverantwortlich, sollte einer der Studierenden wegen eines Aktbildes einen Job oder ein Praktikum verlieren, so die Argumentation der Universität.
Limberger und ihre Kommilitonen ficht das nicht an. Im Gegenteil: Für sie verbessert der Kalender, der ab kommenden Montag erhältlich sein soll, mittelbar sogar die Chancen der Bamberger Studierenden auf dem Arbeitsmarkt. Mit dem Verkauf der 1.000 Exemplare des Kalenders sollen nun Seminare, etwa zu Prüfungsangst oder Rhetorik, finanziert werden, "zu Fähigkeiten also, die im Berufsleben gefordert sind, die die Unis auf Grund knapper Kassen aber nicht anbieten können".
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