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Gewaltexzesse: Polizei soll an Berliner Schule für Ordnung sorgen

zuletzt aktualisiert: 31.03.2006 - 07:39

Berlin (rpo). Weil sie der Gewalt an ihrer Schule nicht mehr Herr wird, will eine Rektorin ihre Schule in Berlin-Neukölln auflösen. Sie schickte einen Hilferuf an den Berliner Senat. Der aber lehnt das Ansinnen ab. Nun soll es Einlasskontrollen durch die Polizei, zusätzliche Sozialarbeiter, Schulpsychologen und einen neuen Schulleiter geben.

Der Unterricht an der Berliner Rütli-Hauptschule wird am Freitag wegen gewalttätiger Eskalationen in der Schülerschaft unter Polizeischutz stattfinden. Polizeisprecher Bernhard Schodrowski erklärte, die Polizei werde Präsenz zeigen und "nah am Geschehen" sein. Vorausgegangen war ein Brandbrief der Lehrerschaft, die sich außer Stande sah, das Gewaltproblem an der Neuköllner Schule zu lösen, an der mehr als 80 Prozent der 224 Schüler einen Migranten-Hintergrund haben.

Schodrowski sagte, die von Schulsenator Klaus Böger zunächst erwogenen Taschenkontrollen werde es in Absprache mit der Schulverwaltung nicht geben. Es seien aber der Präventionsbeamte und die Besatzung eines Funkwagens vor Ort, "wenn es sein muss, auch mehr". Weitergehende Maßnahmen könnten getroffen werden, sofern alle Beteiligten ein Gesamtkonzept zur Dämmung der Gewalt an Schulen entwickelten.

Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger forderte im "Tagesspiegel" die Abschiebung mehrfach straffällig gewordener ausländischer Jugendlicher. Er forderte eine verstärkte Polizeipräsenz und wies darauf hin, dass in New York ähnliche Verhältnisse wie an der Rütli-Schule längst "mit Durchgreifen" beendet worden seien. Dem Berliner Senat warf Pflüger "völliges Versagen in der Schul- und Integrationspolitik" vor.

Probleme wie in Neukölln seien auch durch eine Änderung der Schulform nicht in den Griff zu bekommen. Es müsse verhindert werden, dass in den Schulen rechtsfreie Räume entstünden. Stattdessen hätten der Berliner Bildungssenator Klaus Böger (SPD), aber auch der Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) die Hilferufe der betroffenen Lehrer verdrängt, sagte Pflüger weiter.

"Hier is' Scheiße"

Der Schulsenator betonte, man habe der Schule als Sofortmaßnahme zwei arabisch und türkisch sprechende Sozialarbeiter und zwei Experten aus dem schulpsychologischen Dienst zu Seite gestellt, um "das Klima zu stabilisieren". Eine Schließung der Schule lehnt er ab.

Die Schulleitung hat in ihrem Brief den Senat um Hilfe gebeten: Ein geordneter Unterricht an der Schule in dem als Sozialbrennpunkt bekannten Stadtbezirk Neukölln finde nicht mehr statt, heißt es. Die Stimmung sei geprägt von Zerstörung, Gewalt und menschenverachtendem Verhalten. Lehrer würden völlig ignoriert und zum Teil attackiert, in bestimmte Klassen gingen sie nur noch mit Handys, um Hilfe holen zu können. An der Schule seien weniger als 20 Prozent der Schüler deutscher Herkunft.

"Versagen der Integrations- und Bildungspolitik"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in den Gewaltexzessen ein "Versagen der Integrations- und Bildungspolitik" der Stadt. Der Brief des Kollegiums habe auf dramatische Weise gezeigt, dass die Schulform Hauptschule nicht mehr geeignet sei, Jungen und Mädchen eine Perspektive zu geben. Laut Polizeigewerkschaft wird die Zahl derart problematischer Schulen in der Hauptstadt auf 30 geschätzt, rund 60 gibt es insgesamt.

Senator Böger versichert: "Wir stehen vor einer riesigen Herausforderung." Erhebliche Probleme gebe es überall dort, wo sich die Frage der Integration massiv stelle. Für den kommenden Montag werde ein neuer Schulleiter gebeten, die seit Jahresbeginn nur kommissarisch besetzte Stelle zu übernehmen. Und dann räumt Böger doch ein, dass die Schule in ihrer jetzigen Form wahrscheinlich nicht weitergeführt wird: Es gebe Pläne, die Hauptschule mit der "Realschule am gleichen Standort" zum neuen Schuljahr zusammenzulegen.

Aber er weiß auch: Nur durch "schulorganisatorische Maßnahmen" könne eine schwierige Schülerklientel nicht bewältigt werden. Wenn nicht schnell gehandelt werde, "werden wir noch bittere Probleme bekommen."

Quelle: afp2

 
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