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Dieses Buch rechnet ab: Professor Untat: Faulenzer an den Unis

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 12.03.2007 - 09:03

Düsseldorf (RP). Das Buch „Professor Untat“ rechnet ab mit Deutschlands faulen Professoren. Der Vorwurf: Sie pfeifen auf ihre Forschungspflicht und wirtschaften am liebsten in die eigene Tasche. Das ist populistisch - und amüsant zu lesen.

Dass die Anzeige eine Falle ist, hätte einem schon im ersten Satz auffallen müssen: „Ihr Hochschulberuf allein lastet Sie nicht aus?“ Mit diesen Worten suchten Uwe Kamenz und Martin Wehrle Professoren für Beratungs- und Repräsentationszwecke in Unternehmen - per Zeitungsannonce. Allerdings nicht, wie sie vorgaben, im Auftrag großer Firmen, sondern zu Recherchezwecken.

Kamenz, BWL-Professor an der FH Dortmund, und der Berater Wehrle schrieben an einem Buch mit der Arbeitsthese ,Professoren sind standortgefährdend faul’. Nun ist das Buch da. Es heißt „Professor Untat“, ist vielleicht ungerecht und überspitzt. In jedem Fall aber ist es amüsant, und: Es legt den Finger in offene Wunden des Lehrbetriebs.

Fingierte Anzeige

Mehr als 50 Bewerber meldeten sich auf die fingierte Anzeige, 44 davon Professoren, die im Durchschnitt 71.500 Euro jährlich verdienen und als Pension 70 Prozent der Nettobezüge aus den letzten Berufsjahren bekommen. Auch der Präsident einer Fachhochschule war dabei. Sie alle waren bereit, gegen das Beamtenrecht zu verstoßen, das Hochschullehrer in der Regel einen Tag pro Woche für Nebentätigkeiten gestattet. Einige der Bewerber boten mehr Zeit an, die Semesterferien könne man gar „zu hundert Prozent“ dem außeruniversitären Engagement widmen.

Viele Profs schrieben ihre Bewerbungen auf dem Briefpapier der Uni und schickten sie durch deren Frankiermaschine. Das Autoren-Duo macht nicht den Fehler, die 44 Dummdreisten als Beleg für die Verkommenheit aller 38.000 Vertreter der Zunft zu nehmen. In Gesprächen mit Professoren, durch die Auswertung von Datenbanken und getarnt als Journalisten ließen sie sich erläutern, wie wenig ausgelastet viele Hochschullehrer sind.

Allzu viele nehmen demnach Nebenjobs an, lassen sich von Agenturen in Talkshows vermitteln und geben die Arbeit in den Instituten an Hilfskräfte ab. Sie legen Vorlesungen zu unmöglichen Uhrzeiten, so dass kein Student kommt und sie die Veranstaltung ausfallen lassen können. Für das Fach BWL wiesen die Autoren nach, dass die Hälfte der Profs nicht eine einzige wissenschaftliche Veröffentlichung pro Semester vorlegt.

Realsatire

Zur Realsatire wird das Buch, wenn es die menschlichen Regungen der schwarzen Schafe an den Hochschulen beschreibt. So zählen Kamenz und Wehrle die Rechtschreibfehler in den Bewerbungen auf die Annonce: „Unterlagen ohne Fehler sind die Ausnahme“, der Leiter einer sprach- und literaturwissenschaftlichen Fakultät brachte in zwei Sätzen gleich drei Fehler unter.

Außerdem mögen es Profs nicht, dass jemand den Spieß umdreht. Das tut etwa die Plattform meinprof.de im Internet. Dort können Studenten Professoren bewerten. Kamenz und Wehrle ließen sich von Instituts-Mitarbeitern berichten, dass sie von ihren Chefs abkommandiert wurden und unter falschem Namen positive Bewertungen abgeben mussten.

Die Hochschullehrer sind in diesem Buch die Verkörperung eines Symptoms. Die Ausbildung auf dem Campus sei mittelmäßig, sagen die Autoren, Deutschland zehre von seinem Ruf aus vergangenen Tagen. Weil die meisten Professoren keine didaktische Ausbildung hätten, könnten sie die Studenten nicht angemessen unterrichten.

Sie kennen die freie Wirtschaft nicht, lautet ein Vorwurf. Was kann man tun? Kamenz und Wehrle machen einen Vorschlag, der ähnlich populistisch ist wie das Buch: „Verdoppeln sich die Forschungs- und die Lehrleistungen der Professoren, dann verdoppelt sich auch die Leistung unserer Volkswirtschaft.“

Die Autoren: Uwe Kamenz ist Professor für BWL an der FH Dortmund. Außerdem lehrt er an der Schweizer Educatis University. Martin Wehrle ist Berater und war Führungskraft in einem Konzern. Ihr Buch: „Professor Untat - was faul ist hinter den Hochschulkulissen“. Econ, 288 Seiten, 18 Euro.


 
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