Fremdsprachen in Schulen: Rechnen auf Englisch
zuletzt aktualisiert: 19.12.2005 - 10:09Hamburg (rpo). Englisch und Französisch sind seit kurzem Pflicht in Grundschulen. Einige Schulen gehen noch einen Schritt weiter und bieten ihren gesamten Unterricht in einer Fremdsprache an. Rechnen, Sachkunde, Sport und Musik: Für die Kinder ist das alles "no problem".
Bei der so genannten Immersionsmethode könnten die Kinder in der Schule komplett in die fremde Sprache eintauchen (engl.: to immerse), sagt Gila Hoppenstedt vom German Institute for Immersive Learning (GIFIL) in Hamburg. "Alle Fächer außer Deutsch werden in englischer Sprache unterrichtet."
Der intensive "Input" über mehrere Jahre bewirke, dass die Kinder die Sprache nahezu wie ihre Muttersprache lernten. Bundesweit arbeiten immer mehr Schulen mit dem ganzheitlichen Sprachunterricht. Rund 170 Grundschulen, in denen eines oder mehrere Fächer in einer Fremdsprache gegeben werden, verzeichnet der Verein für frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen (FMKS) in Kiel.
Die Kinder akzeptierten es in der Regel völlig, wenn der Lehrer von Anfang an in einer für sie fremden Sprache redet. "Mathematik wird bei uns in deutscher und französischer, Sachunterricht und Kunst ausschließlich in französischer Sprache gegeben", erläutert Stefan Albrecht, Schulleiter der Internationalen Grundschule Pierre Trudeau in Magdeburg. In der dritten Klasse komme Englisch hinzu.
Deutsch-Schwächen
"Besorgte Eltern befürchten manchmal, dass das Deutsch der Kinder zurückbleibt", sagt Albrecht. Zum Teil sei das tatsächlich der Fall. Kleinere Fehler im Deutschen seien aber unbedenklich und verschwänden wieder, so der Schulleiter.
"Die Immersion ist die älteste Methode der Welt", sagt Prof. Henning Wode aus Kiel. Weltweit sei es eher der Regelfall, dass Kinder mit zwei oder noch mehr Sprachen aufwachsen, sagt der Anglist. Während in Deutschland lange Zeit nur Minderheiten wie Sorben oder Dänen davon profitiert hätten, finde das Konzept angesichts des zusammenwachsenden Europa nun auch bei der Mehrheitsbevölkerung Anklang.
Muttersprache als Schlüssel
Damit das "Eintauchen" in die fremde Sprache jedoch funktioniert, müssen laut Prof. Wode bestimmte Voraussetzungen gegeben sein: "Die Muttersprache darf nicht beeinträchtigt sein - die stärkere muss der Schlüssel für die schwächere Sprache sein."
Wichtig sind laut Prof. Wode Dauer und Intensität des Unterrichts. "Es müssen mindestens sechs bis sieben Jahre und mindestens 70 Prozent des Unterrichts in der Fremdsprache angeboten werden. Auf keinen Fall dürfen es nur ausgewählte Bereiche sein." Am wichtigsten seien jedoch die Lehrerinnen und Lehrer: Sie müssen in der Fremdsprache zu Hause sein und sich vom klassischen "Frontalunterricht" verabschieden.
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