Das Abitur ist geschafft. Wer studieren möchte, muss sich nun entscheiden, ob er lieber zur Uni oder zur FH möchte. Wir erklären, wie sich die beiden Hochschulmodelle voneinander unterscheiden.
Mehr Praxis oder Theorie I
"An Universitäten steht klassischerweise eher die Theorie im Vordergrund, an Fachhochschulen ist das Studium meist praktischer angelegt", sagt Thomas Vielhauer vom Hochschulteam der Arbeitsagentur in Hamburg. Auch kämen die Dozenten an Fachhochschulen meist aus der Praxis, an Universitäten lehrten eher Forscher.
"Da muss man sich also fragen: Was bin ich für ein Typ, und welche Richtung passt eher zu mir?"
Mehr Praxis oder Theorie II
Uni-Studenten sehen den geringeren Praxisbezug öfter als Manko ihrer Ausbildung: Laut einer Befragung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) in Hannover bewertet jeder Dritte (35 Prozent) sein Studium in diesem Punkt als schlecht - an Fachhochschulen tun das nur 15 Prozent. Die Forschung sehen dagegen 35 Prozent der Uni-Studenten und nur 24 Prozent an der FH im Lehrplan gut vertreten.
Durch den Bachelor gibt es aber auch an Unis mehr Praxisphasen als früher. "Der Abschluss soll prinzipiell ja immer berufsvorbereitend sein. Daher steht da jetzt auch an der Uni öfter ein Praktikum auf dem Lehrplan", sagt Vielhauer.
Länge der Regelstudienzeit
Nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn ist ein Großteil (42 Prozent) der Bachelorangebote an Fachhochschulen derzeit auf sieben Semester ausgelegt. An der Uni sind dafür fast immer sechs Semester eingeplant. FH-Studenten brauchen für den ersten Abschluss also etwas länger, haben aber mehr Zeit, um zum Beispiel ein Praktikum unterzubringen.
Dafür ist an Fachhochschulen rund ein Drittel der Masterangebote (31 Prozent) dreisemestrig. An Universitäten dauern sie in der Regel vier Semester.
Studium in Eigenregie oder verschultes Lernen
"An der FH ist das Studium strukturierter und etwas verschulter", sagt Vielhauer. So verbringen Fachhochschüler laut der jüngsten Sozialerhebung des Studentenwerks in Berlin die meiste Zeit ihres Studiums in Lehrveranstaltungen.
An Universitäten nimmt dagegen das Selbststudium den Großteil der Lernzeit ein. An Unis sei daher ein höheres Maß an Eigenverantwortung und Selbstständigkeit nötig, sagt Prof. Manfred Nagl vom Dachverein "Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten" (4ING) in Aachen.
Insgesamt büffeln Studenten laut dem Studentenwerk an beiden Hochschularten aber gleich viel: Das Lernpensum an Universitäten und Fachhochschulen beträgt im Schnitt jeweils 34 Wochenstunden.
Massenvorlesungen oder kleine Lerngruppen
FH-Studenten fühlen sich in der Regel besser betreut, sagt HIS-Expertin Janka Willige. Laut der von ihr betreuten Studie sind 57 Prozent an der FH in diesem Punkt zufrieden, an der Uni sind es nur 45 Prozent. Auch bei guten Noten für die Ausstattung erzielt die FH aus Sicht der Studenten mit 55 zu 37 Prozent einen Punktsieg. Unter zu vollen Hörsälen und Seminaren leiden dagegen vor allem Uni-Studenten. Jeder zweite Student an einer Universität fühlt sich den Befragungen zufolge häufig durch überfüllte Veranstaltungen beim Lernen beeinträchtigt - an der FH sagt das nur jeder Fünfte. "Da bestätigt sich also oft noch das verbreitete Bild von der anonymen Massenuni."