Anders als Karl-Theodor zu Guttenberg: So zitieren Sie richtig
VON ISABELLE DE BORTOLI - zuletzt aktualisiert: 31.01.2012 - 07:35Düsseldorf (RPO). Seit der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wegen des Plagiatvorwurfs seinen Doktortitel zurückgab, ist es in aller Munde: das richtige Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten. Wir zeigen, wie es geht.
Es ist so leicht geworden: Man sucht einen Text im Internet, markiert die Stelle, die einem für den eigenen Aufsatz passend erscheint, kopiert und fügt sie in sein Dokument ein. So weit noch kein sträflicher Akt – wenn man nun Anführungszeichen und eine Fußnote setzt und die Quelle benennt. Genau das versäumen einige Studenten und auch Wissenschaftler in ihren Arbeiten aber und machen sich so des Plagiierens schuldig.
"Der Hang zum Plagiat ist mit den Jahren größer geworden, die schiere Verlockung durch die Online- Medien ist enorm", sagt Stephan Laux, Privatdozent am Institut für Geschichtswissenschaften der Heinrich- Heine-Universität Düsseldorf und Persönlicher Referent des Rektors.
Nicht online? Nicht existent.
Mit der exponentiell wachsenden Menge an Online-Angeboten nehme gleichzeitig die Nutzung von Aufsätzen und Monografien in den Bibliotheken deutlich ab (siehe Info-Kasten). "Für viele Studenten gilt bei der Literaturrecherche: Was online nicht zu bekommen ist, ist inexistent", sagt Laux.
Digitale Angebote boomen
Die Zahl der entliehenen Monografien der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf (ULB) sank in den vergangenen vier Jahren von 1,4 Millionen (2006) auf 950 000 (2010). Stattdessen scheint sich, so die ULB in ihrem Jahresbericht 2010, der elektronische Semesterapparat zum wichtigsten "Hilfsmittel" für die Studierenden zu entwickeln. Die Digitalen Sammlungen haben ihre durchschnittlichen Besucherzahlen pro Tag von 60 im Jahr 2009 auf 119 im Jahr 2010 nahezu verdoppelt. Als Einstieg in digitale Angebote hat sich die Zahl der Aufrufe der Bibliothekshomepage von 2008 bis 2010 um 94 Prozent auf 2,26 Millionen gesteigert. Gleichzeitig liegen von den 19 274 abonnierten Zeitschriftentiteln 80 Prozent digital vor, während sich der Anteil gedruckter Zeitschriften weiter verringert.
Schon aufgrund der enormen Masse an produzierten Texten gerieten vor allem die Geisteswissenschaftler unter Plagiatsverdacht. "Naturwissenschaftler sind dafür von Manipulationen von Messergebnissen betroffen. Grundsätzlich darf man aber nicht den Stab über allen Wissenschaftlern brechen."
Ein Plagiat ist laut Laux nicht nur wortwörtlich, sondern auch textnah Übernommenes: "Die meisten Plagiate fallen mir auf, weil die Arbeiten an diesen Stellen über mehrere Sätze fehlerlos und auf einem anderen sprachlichen Niveau sind als der Rest der Seiten." Andere Lehrende würden auch Anti-Plagiatssoftware verwenden.
Grundsätzlich rät der Privatdozent dazu, Studierende mit den Konsequenzen von Plagiaten zu konfrontieren. Diese reichten von der Notwendigkeit, den Aufsatz zu überarbeiten, bis zur Note ungenügend und damit zum Nichtbestehen bei Abschlussarbeiten oder Dissertationen. "Denn dort gibt es die Möglichkeit zur Nachbesserung nicht."
Die richtige Literatur finden
Folgendes sollten Studierende nach Ansicht von Laux beim Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten beachten: Zitierrichtlinien Grundsätzlich gilt: Wörtliche Zitate aus anderen Werken werden immer in Anführungszeichen gesetzt und mit einer Fußnote versehen, in der man den Autor sowie sein Werk nennt. In der Fußnote geschieht dies in Kurzform, die ausführliche Quellenangabe kommt ins Literaturverzeichnis.
Auch wer nicht wörtlich zitiert, sondern eine Idee oder einen Gedanken entlehnt, muss eine Fußnote setzen. Also: Ob wörtlich oder inhaltlich übernommen – wer nicht kennzeichnet, woher seine Gedanken kommen, plagiiert.
In einem Fall allerdings ist das Zitieren überflüssig: Wenn man Literatur hinzuzieht, um sich über ein allgemein festgeschriebenes Faktum zu orientieren und sich Bekanntes ins Bewusstsein zu rufen. Beispiel: Wo ich gelesen habe, dass Luthers Thesenanschlag im Jahr 1571 stattfand, darüber brauche ich nicht Auskunft zu geben.
Literaturrecherche Kategorisch wird unterschieden zwischen Quelle und Literatur. Also: Liest man Goethe im Original oder einen Goethe- Kommentar? Qualitativ hochwertige Literatur zählt mehr als die numerische Masse – denn es gibt Unmengen möglicher Literatur. Diese sollte auch nach den Kategorien "relevant" sowie "aktuell oder überholt" bewertet werden.
Nicht zuletzt sind unterschiedliche methodische Blickwinkel in der Literaturauswahl ebenso obligatorisch wie das Gewinnen eines Überblicks über das internationale Forschungsschaffen. Dass eine Schrift nicht in deutscher Sprache erschienen ist, darf kein Grund sein, sie nicht zu berücksichtigen.
Forschungsstand kennen
Gleiches gilt für Literatur, die örtlich nicht verfügbar ist. Für eine gründliche Literaturrecherche spricht auch, dass man peinliche Fehler vermeidet: Zum Beispiel etwas als neu und eigene intellektuelle Leistung zu präsentieren, das anderswo längst vorliegt. Da zeigt man, dass man den Forschungsstand nicht kennt.
Überdies ist das Medium der Literatur irrelevant. Ob ein Kommentar aus einer Monografie, einem Aufsatz oder einem Artikel aus dem Internet stammt, ist nicht wichtig – sie sind nur Datenträger. Entscheidend ist vielmehr die Qualität der Quelle und wie man sie als Verfasser dokumentiert. Zum richtigen Zitieren aus dem Internet gehört es, die URL zu nennen, ebenso wie das Datum des Seitenaufrufs und natürlich den Autor. Einfaches "Pasten" ist nicht korrekt.
Aufgeschlossene Dozenten sollten Arbeiten mit Quellenangaben aus dem Internet nicht verurteilen – das Internet ist ein Sammelsurium aus nicht-wissenschaftlichen, aber eben auch wissenschaftlichen Beiträgen. Es kommt auf die spezifische Qualität der Quelle an. Grundsätzlich sollte es mehr methodisch-technische Beratungsangebote geben, damit die Studierenden die technischen Möglichkeiten kritisch bewerten können.
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