NRW: Streit um Grundschulreform geht weiter
zuletzt aktualisiert: 08.03.2006 - 16:45Düsseldorf (rpo). Sollen die Grundschulen zukünftig stärkeren Einfluss auf die Entscheidung von Eltern nehmen, welche weiterführende Schule ihre Kinder besuchen? Im Düsseldorfer Landtag wurden am Mittwoch Bildungsexperten, Lehrer- sowie Elternvertreter zu diesem Thema angehört. Das Ergebnis: Das entsprechende Vorhaben der schwarz-gelben Landesregierung stößt auf geteiltes Echo.
Sowohl unter Lehrer- als auch unter Elternverbänden und Bildungsforschern zeichnete sich kein einheitliches Bild ab. Entschieden gegen die Aufwertung der Gutachten sprachen sich die beiden Lehrergewerkschaften, der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), in NRW aus. Das Vorhaben sei kein geeignetes Mittel, um Bildungschancen zu erhöhen, kritisierte VBE-Landesvorsitzender Udo Beckmann. Es führe vielmehr zu einer noch größeren sozialen Auslese. Auch der Grundschulverband NRW lehnte die Pläne ab.
Unterstützung kam hingegen vom Realschullehrerverband. Landesvorsitzender Ulrich Brambach betonte, er traue den Lehrern zu, die richtige Diagnose bei Schülern zu treffen. Wenn es um das Wohl der Kinder gehe, sei das Votum von Fachleuten gefragt. Brambach sprach sich zugleich dafür aus, die Prognosefähigkeit der Lehrer durch Qualifizierungsmaßnahmen zu erhöhen.
Auch bei den Elternverbänden gingen die Meinungen auseinander. Ablehnend äußerten sich sowohl die Landeselternschaft Grundschulen sowie der Landeselternrat der Gesamtschulen. Die Eltern der Grundschüler betonte, es sei kein Grund für einen "derart massiven Eingriff in Grundrechte der Eltern zu erkennen". Zustimmung kam dagegen vom Elternverein und der Landeselternschaft der Gymnasien.
Grüne: Eltern werden entmündigt
Der Dortmunder Bildungsforscher Wilfried Bos betonte, die Empfehlung der Eltern sei "ein Stück ungerechter" als die der Lehrer. Rainer Block von der Arbeitsgruppe Bildungsforschung/Bildungsplanung an der Universität Duisburg-Essen hob dagegen hervor, dass es keine verlässlichen Aussagen über die Trefferquote von Grundschulempfehlungen gebe. Daher solle im Zweifel für die Eltern entschieden und ihr Wahlrecht nicht angetastet werden.
Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer kritisierte, mit dem Vorhaben sollten die Eltern entmündigt werden. SPD-Fraktionsvize Ute Schäfer warnte, die verbindlicheren Gutachten würden das "Sortieren und Aussortieren von Schülern" perfektionieren. Dies wiesen CDU und FDP zurück. Das Vorhaben sei ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung des Schulsystems, betonte CDU-Bildungsexperte Klaus Kaiser.
Die Landesregierung will das Vorhaben mit dem geplanten neuen Schulgesetz umsetzen. Der Gesetzentwurf sieht einen dreitägigen Prognoseunterricht vor, falls Eltern von dem Grundschulgutachten abweichen wollen. Im Anschluss entscheiden die Lehrer. Wenn die Eignung für die gewählte Schulform "offensichtlich" ausgeschlossen sei, soll die Aufnahme nicht erfolgen.
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