Das sichere Endlager als Ziel: Studiengang: Wie lagert man Atommüll?
zuletzt aktualisiert: 03.08.2008 - 17:50Clausthal-Zellerfeld (RPO). Mit aktueller Tagespolitik haben sie an der Technischen Universität (TU) Clausthal nichts am Hut. Dabei ist der Gegenstand ihres neuen, bundesweit einmaligen Studiengangs sehr politisch: Am Institut für Endlagerforschung forschen und lehren Wissenschaftler, wie man radioaktiven und hochgiftigen Müll richtig unter die Erde bringt. Die bisher drei einzigen Studenten des neuen Master-Studiengangs kommen aus China.
In der Atomindustrie, aber auch bei den zuständigen Behörden werden eben solche Experten seit Jahren händeringend gesucht, denn der Müll aus den Zwischenlagern muss irgendwann irgendwo dauerhaft eingelagert werden. "Radioactive and Hazardous Waste Management" nennt sich der Masters-Studiengang, der seit dem Wintersemester 2007/2008 besteht.
Klaus-Jürgen Röhlig ist Mathematiker, kein Politiker. Auf Gut-Böse-Diskussionen in Sachen Atomstrom lässt er sich nicht ein. Für ihnen zählen nur Fakten, und die lauten: In Deutschland stehen in etlichen Zwischenlagern zig dutzend Behälter mit radioaktiven Abfällen, die darauf warten, endgültig eingelagert zu werden. "Wir haben eine ethische Verpflichtung, dieses Problem zu lösen", sagt der Professor für Endlagersysteme an der Clausthaler TU. Seinen Beitrag hierzu leistet er an seinem Schreibtisch: Dort stellt Röhlig mathematisch-analytische Modelle auf, um damit Beiträge zu Sicherheitsnachweisen für potenzielle Endlager unter Tage zu leisten.
Lagerung im Salzgestein
Weil in der Bundesrepublik eine Tradition der Forschung und Entwicklung zur Einlagerung radioaktiver Abfälle insbesondere in Salzgesteinen besteht, beschäftigt sich Röhlig in seiner Forschung vor allem damit. "Salz fließt", erläutert der Professor. Das heißt: Werden Behälter mit Atommüll in eine unterirdische Kammer aus Salzgestein gelagert, verschließen sich die Hohlräume dort nach einer gewissen Zeit von selbst. Wie lange das genau dauert, wie sich der Druck des umliegenden Gesteins auswirkt und was der Eintritt von Flüssigkeit in einen Hohlraum für Folgen haben könnte, das errechnet Röhlig.
Doch allein mit Mathematik ist es bei einem Endlager für Atommüll und andere Umweltgifte nicht getan. Darum ist der neue Studiengang interdisziplinär aufgestellt. Die Studenten belegen Kurse in Geochemie und Geophysik, sie beschäftigen sich mit Zwischenlagerung und Transporten und auch mit den rechtlichen Rahmenbedingungen. Besonders wichtig ist bei der Einlagerung von Atommüll in der Tiefe, ob das sogenannte Wirtsgestein, das später den Müll einschließen und abschotten soll, dafür geeignet ist. Das ist das Fachgebiet des Geochemie-Professors Kurt Mengel - denn Geochemiker untersuchen die chemische Zusammensetzung der Erde.
Naturwissenschaftliche Bachelor-Absolventen fehlen
Wichtig für die Endlagerung ist in diesem Zusammenhang: Wie verändert sich die Zusammensetzung des Gesteins durch Temperaturveränderungen? Denn Atommüll strahlt und produziert somit Wärme. Salz ist laut Mengel als Wirtsgestein für radioaktive Abfälle bestens geeignet. "Bis 200 Grad passiert gar nichts", sagt er und meint damit: Wegen der Hitze finden im Salz keine chemischen Reaktionen statt. Höhere Temperaturen seien in einem Atommüll-Endlager nicht zu erwarten. Zumindest, wenn der Müll richtig eingelagert werde. "Hier wird es interdisziplinär", sagt Röhlig. "Wir berechnen, wie genau gelagert werden muss, damit es nicht heißer wird."
Sein Ziel und das seiner Kollegen am Institut für Endlagerforschung sei es, Beiträge zu einem sicheren Endlager zu leisten, sagt Röhlig. Und sie wollen dieses Wissen an ihre Studenten weitergeben. Endlagerung sei noch für viele Jahrzehnte ein wichtiges Thema, betont Röhlig. Unterdessen plagen die Forschungseinrichtungen und auch die Atomindustrie enorme Nachwuchssorgen. "Das ist auch ein Kompetenzerhaltungsproblem", sagt er. Dass noch kein deutscher Student den Studiengang belegt, beunruhigt Mengel und Röhlig nicht. "Noch fehlen die natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Bachelor-Absolventen", sagt Röhlig: "Aber die sind bald fertig."
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