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Go East: Studieren im Osten hat viele Vorteile

zuletzt aktualisiert: 22.01.2011 - 15:15

Berlin (RPO). Gerade im Westen studieren fast alle Studenten in der alten Heimat. Das hat das Deutsche Studentenwerk (DSW) ermittelt. Dabei sind in den alten Bundesländern die Hörsäle besonders voll. Eine "Auswanderung" in den Osten kann sich also lohnen.

"Es gibt bei uns generell eine West-Orientierung", sagt DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde in Berlin. "Die meisten Studienanfänger aus dem Westen bleiben im Westen, und Studienanfänger aus dem Osten gehen häufig in den Westen."

Das bestätigt eine Studie des Hochschul-Informationssystems (HIS) in Hannover. Demnach nutzen bislang nur wenige Westdeutsche die Chance, in den Osten zu wechseln: Das haben im Wintersemester 2007/08 nur 4,4 Prozent der Studienanfänger getan, die ihre Hochschulreife in den alten Bundesländern erworben hatten.

Dabei gibt es Ausnahmen - einige Hochschulen in Ostdeutschland sind bei Schulabgängern aus dem Westen schon seit einiger Zeit gefragt, wie Meyer auf der Heyde ergänzt. Dazu gehörten Unis in Berlin und Potsdam. Aber auch Städte wie Leipzig und Dresden bekommen Zulauf durch westdeutsche Studienanfänger.

Viele andere Hochschulstandorte im Osten können bislang kaum junge Menschen aus dem Westen locken. Denn für viele von ihnen haben die ostdeutschen Studienorte ein schlechtes Image, wie eine Befragung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh ergeben hat. Ein Großteil der studieninteressierten Westdeutschen kann sich daher kaum vorstellen, im Osten zu studieren: 69,6 Prozent halten das für eher unwahrscheinlich, wenn es um ihre Ausbildungspläne geht.

Wer allerdings für ein Studium in den Osten geht, kann von einigen Vorteilen profitieren. "Es gibt zum Teil bessere Studienbedingungen", erklärt Meyer auf der Heyde. So sei zum Beispiel das Betreuungsverhältnis besser, da auf eine Lehrkraft weniger Studenten kämen als an westdeutschen Hochschulen. "Dadurch ist der Kontakt zu den Lehrenden meist intensiver und der Umgang persönlicher." Ständig verschlossene Türen oder völlig überlastete Professoren und Mitarbeiter seien seltener.

Janine Artist von der Hochschulinitiative Neue Bundesländer in Berlin hebt weitere Pluspunkte hervor: "Die Hochschulen in den neuen Bundesländern sind sehr gut ausgestattet." Nach der Wende sei viel in sie investiert worden - weswegen heute unter anderem die Bibliotheken bestens bestückt seien. Außerdem gebe es viele Laborplätze und gute Arbeitsplätze mit Computern. "Die Lernbedingungen sind damit insgesamt sehr gut."

Hinzu komme, dass die Lebenshaltungskosten oft niedriger als beim Studium in westdeutschen Ländern seien, ergänzt Artist. "Keines der neuen Bundesländer erhebt allgemeine Studiengebühren, weswegen es diese Belastung nicht gibt." Positiv sei auch, dass die Miete vielerorts geringer als in den Studienorten im Westen ausfällt.

Meyer auf der Heyde ist sich daher sicher, dass die ostdeutschen Hochschulen demnächst mehr Zulauf aus dem Westen haben werden. Denn inzwischen spreche es sich herum, wie attraktiv die Standorte in den neuen Bundesländern sind.

Nachwuchsprobleme ostdeutscher Hochschulen

Die Nachwuchsprobleme vieler Hochschulen in Ostdeutschland haben mehrere Gründe. "Nach der Wende wurden weniger Kinder geboren, so dass es einen demografischen Knick gibt", erklärt Janine Artist von der Hochschulinitiative Neue Bundesländer. Dadurch gebe es auch weniger Studienanfänger in den neuen Bundesländern. Hinzu kommt, dass dort viele Studienanfänger ihre Heimatregion verlassen und in den Westen wandern.

Nach Berechnungen der Kultusministerkonferenz wird die Zahl der Studienanfänger in den neuen Ländern von 2011 bis 2015 um rund 63.000 zurückgehen. Dagegen wird der Wert bundesweit im selben Zeitraum um mehr als 200.000 steigen - unter anderem wegen der diesjährigen doppelten Abitur-Jahrgänge in Niedersachsen.

Internet: Hochschulinitiative Neue Bundesländer www.hochschulinitiative.de, Kampagne "Studieren in Fernost" www.studieren-in-fernost.de, CHE-Studie: http://dpaq.de/studie, HIS-Studie http://dpaq.de/Hi8KF

Quelle: tmn/mais

 
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