Phililogenverband: Vorstoß für späteren Schulbeginn stößt auf Unverständnis
zuletzt aktualisiert: 16.01.2006 - 15:37Stuttgart (rpo). Nachdem sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) für einen späteren Schulbeginn ausgesprochen hat, melden sich schon die ersten Kritiker zu Wort. Der Deutsche Philologenverband hat die Forderung zurückgewiesen. Der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger sagte in Berlin, in der Praxis würde dies bedeuten, dass sich der Pflichtunterricht dann auch an Grund-, Haupt- und Realschulen in den Nachmittag hinein erstrecken würde.
Dafür fehlten an den meisten Schulen jegliche Voraussetzungen wie Mittagsversorgung und Mittagsbetreuung. Meidinger sagte, vielen Eltern sei es auch lieber, die Kinder kämen mittags nach Hause. Bei einem späteren Schulbeginn sei dies nicht mehr möglich. Er verwies darauf, dass die große Koalition eine Weiterführung des Ganztagsschul-Bauprogramms der früheren Bundesregierung abgelehnt habe.
"Wer einen späteren Schulbeginn wie in Frankreich oder den Vereinigten Staaten in Deutschland haben will, muss auch wie diese Länder zumindest zum Teil auf Ganztagsschulbetrieb umstellen." Das eine zu fordern und die Finanzierung des anderen zu verweigern, sei nicht nur widersprüchlich, sondern auch unehrlich.
Der Verbandsvorsitzende wies darauf hin, dass der Unterrichtsbeginn in den meisten Bundesländern nicht exakt festgelegt sei. Schulen könnten vielfach selbst entscheiden, ob sie aus bestimmten Gründen von dem üblichen 8-Uhr-Zeitpunkt abweichen. Im Sinne einer stärkeren Eigenverantwortlichkeit von Schule sei dies auch vernünftig.
Oettinger hatte sich am Wochenende für einen generell späteren Unterrichtsbeginn in Deutschland ausgesprochen. Denn inzwischen gingen Kinder häufig früher aus dem Haus als ihre Eltern. "Es wäre besser, wenn wir die Unterrichtszeit an die Zeiten der Arbeitswelt anpassen würden", sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".
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