Uni oder FH?: Was die Hochschultypen unterscheidet
zuletzt aktualisiert: 29.01.2011 - 13:04Düsseldorf (RPO). Uni oder Fachhochschule? Vor dieser Frage stehen Studienbewerber jedes Jahr. Die Grenzen verschwimmen dabei in Zeiten von Bachelor und Master immer mehr. Einige Unterschiede gibt es aber immer noch. Da FHs und Unis nicht mehr ganz so trennscharf sind, achten Arbeitgeber viel mehr auf die Abschlussnote und die Qualifikationen.
Unterschiede gibt es heute trotzdem: "Studiengänge an Fachhochschulen sind in der Regel immer noch praxisorientierter", sagt Hermann Reuke von der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur (ZEvA) in Hannover. Die Voraussetzungen seien dabei an Uni und FH die gleichen. Studiengänge an Fachhochschulen sähen aber häufiger Praxissemester vor. "Sie sind dann insgesamt nicht sechs, sondern sieben oder acht Semester lang."
Auch die Lehre sieht laut Reuke je nach Hochschultyp häufig anders aus. Die Kursgruppen der FHs seien kleiner als an den meisten Unis. "Bei 30 Leuten wird selbst eine Vorlesung interaktiv. Dagegen sitzen an großen Unis in beliebten Fächern wie Betriebswirtschaftslehre oder Germanistik oft Hunderte in der Vorlesung." Studienberater Wolfgang Loggen von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen - einer Universität - rät deshalb, man solle die Lernathmosphäre an einer Uni und einer FH schnuppern, dann könnte man entscheiden, was einem besser gefällt.
An Fachhochschulen werden dagegen schneller auch praxisorientierte Fragestellungen behandelt. "Grundlagenforschung können wir den Studenten nicht bieten, dafür kommen sie bei uns so früh wie möglich mit der Praxis in Verbindung", erläutert Katharina Ceyp-Jeorgakopulos, Sprecherin der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg, einer FH.
"Kuschel"-Kurse an der FH
Dozenten an Fachhochschulen müssen mindestens fünf Jahre hauptberuflich gearbeitet haben - drei Jahre davon außerhalb der Hochschule. An Universitäten gibt es diese Voraussetzungen nicht. Hier können Doktoranden nach ihrer Promotion direkt eine Lehrtätigkeit beginnen.
Für Marc Kastner war daher schon früh klar, dass er an eine FH wollte. "Das bekomme ich hier, die Dozenten behandeln gute Fallbeispiele aus der Praxis." Ihm gefällt auch die persönliche Beziehung zu den Dozenten. So sei es kein Problem, nach der Veranstaltung noch Fragen zu stellen. Auch die Sprechstunden seien selten voll. Kastners lernt mit Wirtschaftsrecht außerdem ein Fach, das es vor ein paar Jahren noch kaum an Universitäten gab. Auch diese Frage kann letztendlich darüber entscheiden, wo man landet: Wer bietet das Fach an, das mich am meisten interessiert?
Wer geistes- oder sprachwissenschaftliche Angebote sucht, wird immer noch eher an Universitäten fündig. Zwar bieten Fachhochschulen sozialwissenschaftliche Studiengänge wie "Soziale Arbeit und Pflege" an, aber Geschichte, Französisch oder deutsche Literatur - diese Fächer werden eher an Unis gelehrt.
Wer nach dem ersten Abschluss wechseln will, sollte sich aber frühzeitig informieren, welche Zugangsvoraussetzungen gefordert werden. Dazu müssen Studenten genau prüfen, wie viele Leistungspunkte in welchen Modulen vorgesehen sind. Sind zwei Angebote nicht aufeinander abgestimmt, kann das bedeuten, dass Wechsler Leistungen nachholen oder eine Zulassungsprüfung bestehen müssen.
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