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Schüleraustausch: Was ein Jahr im Ausland bringt

VON BRIGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 21.09.2008 - 10:32

Ratingen (RP). Immer mehr junge Leute entscheiden sich für ein Austauschjahr während der Schulzeit. Denn Fremdsprachenkenntnisse, Selbstständigkeit und die Fähigkeit, sich in fremden Kulturen zurechtzufinden, werden im Lebenslauf immer wichtiger. Bald ist Bewerbungsschluss.

Eva Unkenholz aus Ratingen besuchte ein Jahr lang eine Schule in Venezuela.  Foto: Achim Blazy
Eva Unkenholz aus Ratingen besuchte ein Jahr lang eine Schule in Venezuela. Foto: Achim Blazy

Sie wollte so weit von zu Hause weg wie möglich. "Ich wollte eine neue Fremdsprache lernen, ein anderes Land und eine andere Kultur kennen lernen", sagt Eva Unkenholz (17). Seit ein paar Wochen ist die Gymnasiastin aus Ratingen nun wieder in Deutschland. Ein Jahr lang hat sie am anderen Ende der Welt gelebt, ist einmal fast rund um den Globus geflogen, um in Venezuela zur Schule zu gehen.

Rund 15.000 Schüler aus Deutschland kehren derzeit ihrer Schule hierzulande für ein Jahr den Rücken, um ins Ausland zu gehen. Und es werden immer mehr. Mehr junge Leute, die tatsächlich gehen, und auch mehr, die sich für einen Auslandsaufenthalt interessieren. Doch die Zahl der Plätze ist begrenzt, erklärt Rita Stegen, Repräsentantin des Arbeitskreises gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen (AJA), in dem sich mehrere Institute zusammengeschlossen haben. Der Grund für das steigende Interesse: "Das Bewusstsein, dass Internationalität, Fremdsprachenkenntnisse und kulturelle Erfahrungen in der Ausbildung immer wichtiger werden, nimmt zu."

Südamerika ist gefragt

Destinationen in Süd- und Mittelamerika sowie Asien, Osteuropa und dem Baltikum boomen derzeit. Waren früher vor allem englischsprachige Länder wie USA, Australien, Kanada und Neuseeland beliebt, rücken nun immer häufiger auch andere Länder in den Fokus. "Englisch wird an den Schulen hierzulande sehr gut unterrichtet, außerdem hat man fast überall die Chance, Englisch zu sprechen", sagt Rita Stegen, Repräsentantin beim Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen (AJA). "Mit dem Zusammenwachsen Europas wird es dagegen immer wichtiger, auch Beziehungen zu den neuen und künftigen EU-Mitgliedsstaaten aufzubauen." Im Schüleraustausch, der ursprünglich nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Deutschland und den USA entstand, rückten nun immer öfter solche Regionen in den Vordergrund, die international an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen.

Einen weiteren Vorteil von Regionen, die bisher nicht auf der "Hitliste" der Austauschschüler standen, macht auch Alois Serwaty aus, Koordinator für den Jugenddienstausschuss beim Rotary-Club in Emmerich: "Sicherlich weiten Jugendliche ihren Horizont auch dann, wenn sie in Länder gehen, die uns kulturell ähneln. Die prägendsten Erfahrungen machen sie aber in Regionen, die eine andere Kultur haben."

Austausch bereichert die persönliche Entwicklung

Die Kultusministerkonferenz (KMK) sieht das Auslandsjahr während der Schulzeit sogar als so wichtig an, dass selbst mit der Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre bis zum Abitur ein Auslandsjahr möglich sein soll. Bisher gehen die meisten Schüler nach dem Ende von Klasse 10 ins Ausland. Wenn sie nach einem Jahr zurückkehren, können sie in ihre „alte“ Klasse zurück und die Stufe 12 besuchen – wenn die Noten stimmen. Sollten die Rückkehrer Schwierigkeiten haben, nach dem Fehl-Jahr im Unterricht mitzukommen, werden sie eine Klasse zurückgestuft. Mit der Schulzeitverkürzung wird nun ein Auslandsjahr nach Klasse 9 empfohlen – oder ein verkürzter Aufenthalt von drei bis sechs Monaten. Auch eine Möglichkeit: wie bisher nach der 10. Klasse gehen und die Klasse 11 in Deutschland wiederholen. "Das ist nur auf den ersten Blick ein verlorenes Jahr", sagt Christopher Stolzenberg vom American Field Service (AFS). "Der Austausch bringt später bei Bewerbung und Ausbildung große Vorteile und bereichert die persönliche Entwicklung."

Das bestätigt Eva Unkenholz, die jetzt wieder bei ihren alten Klassenkameraden in der Stufe 12 die Schulbank drückt. "Ich bin erwachsener, selbstbewusster geworden und habe mich verändert – im positiven Sinne. Das Jahr in Venezuela war das beste meines Lebens."

Informationen: Bekannte Austauschorganisationen sind zum Beispiel: Rotary Club, American Field Service (AFS), Parlamentarisches Patenschaftsprogramm (PPP), American Institute for Foreign Study (AIFS), IST (Internationale Sprach- und Studienreisen), Gesellschaft für internationale Verständigung (GIVE). Die Bewerbungsfrist für das kommende Schuljahr 2009/10 endet meist im Herbst. Erlebnisberichte und Infos unter www.ausgetauscht.de


 
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